»Und dann bewerben Sie sich um die Stelle?«

»Herr Superintendent, ich habe mich nicht beworben. Der Mann sagte, ich müßte in Solten Schulmeister werden. Ich hielt das für Spaß, und habe gar nicht wieder daran gedacht, bis ich dann auf einmal Ihren Brief kriegte.«

Der alte Herr schlug die Hände zusammen und schüttelte sich vor Lachen. »Dieser alte Schlauberger! Darum kam er so pfiffig an und sagte: ›Herr Zupperndent, ick heww uns'n Scholmester infungen, 'n ganzen nüdlichen frischen Jungkeerl‹. Schön war das nicht gerade von dem Alten, Sie so hinters Licht zu führen. Aber schließlich, was soll man dazu sagen? Jeder ist sich selbst der Nächste. Für sein Dorf hat der Alte gut gesorgt. Ich fürchtete schon, die Stelle müßte wieder unbesetzt bleiben. Und ein paar Jährchen werden Sie es da schon aushalten. Nur, daß Sie Ihre lieben Eltern mitbringen, das ist unmöglich, so leid es mir tut.«

»Och,« sagte Peter, »das schadet am Ende nicht ganz viel.«

»Es sollte mich freuen,« versetzte der andere, »wenn diese Enttäuschung nicht gar zu groß für Sie wäre ... Um aber noch einmal auf die eigentümlichen Verhältnisse in Solten zurückzukommen, ich möchte Sie bitten, sich den Pietistenschuster vom Leibe zu halten und ihn überhaupt nicht zu besuchen. Er wird's natürlich probieren, Sie für seine überspannten Gedanken zu kapern und durch Sie Einfluß auf die Jugend zu gewinnen. Denn wer die hat, hat ja die Zukunft. Also hüten Sie sich vor ihm, gehen Sie ihm aus dem Wege! Junge Leute von Ihrem Alter sind noch nicht innerlich gefestigt genug, um solchen Einflüssen, wenn sie ihnen Zutritt zu sich gestatten, den nötigen inneren Widerstand entgegenzusetzen. Und dann noch eins, aber im Vertrauen. Wir haben einen sehr vernünftigen Amtshauptmann, der durchaus nicht gewillt ist, solches Konventikelwesen der Dunkelmänner in seinem Bezirk umsichgreifen zu lassen. Der würde uns ganz gern einmal seinen Landjäger zur Verfügung stellen. Also, wenn Sie etwas merken von polizeiwidrigen Abendversammlungen und Zusammenrottungen in den Häusern, so machen Sie mir gefälligst Meldung. Ich habe auch schon einigen zuverlässigen Bauern einen leisen Wink in dieser Richtung gegeben. Aber es ist nun einmal so, gegen die Geistlichkeit hält diese Gesellschaft immer zusammen, und den Landjäger sehen sie nicht gern in ihrem Dorf. Also ich verlasse mich auf Sie. Ich würde Ihnen nun raten, sich heute gleich Ihren künftigen Wirkungskreis und Ihr Häuschen anzusehen. Und dann treten Sie Anfang nächster Woche frisch und fröhlich Ihren Dienst an.«

Peter war aufgestanden, machte den tiefen und steifen Bückling, den er Schulmeister Wencke abgesehen hatte, und bekam von seinem freundlichen Vorgesetzten einen warmen Händedruck zum Abschied.

Als er in die Gaststube des benachbarten Wirtshauses trat, um seinen Vater abzuholen, blickte dieser, hinter einem Schnapsglas sitzend, mit gerötetem Gesicht ihn höhnisch an und sagte, unbekümmert um die Anwesenheit einiger Gäste: »Du bist doch'n Döskopp und bliwst'n Döskopp.«

Peter war starr mitten im Zimmer stehengeblieben und fragte aufs höchste erstaunt: »Wat is denn?«

»Läßt di dor de slechste Scholstelle in't ganze Land uphangen, läßt di von so'n olen Glattsnacker in de Iserbahn so anfleiten, dat de nu in alle Wirtschaften vertellen kann, wat ick for'n Dämelklas van Jungen heww. Hähähähä.«

»Aber Vader, besinn' di doch!«