Und er klopfte dem jungen Manne, dem er kaum bis an die Schultern reichte, derb auf die Arme und Schenkel.
Der junge Freidank wußte nicht recht, ob Immermann im Scherz oder im Ernst redete. „Nein!“ sagte er zögernd, „nein, Ringkämpfer bin ich, weiß Gott, nicht!“
„Können Sie werden, können Sie werden,“ antwortete Immermann rasch, „das läßt sich lernen! Wer die Kraft hat, lernt schon die Technik! — Nun, nicht wahr, Sie haben Lust? — Da könnte ich Sie nämlich sofort engagieren, ja! — Zwar — erst für den Dezember; bei der Meisterschafts-Konkurrenz mit Thyssen! — Bis dahin... Sie brauchen Geld... Darüber ließ sich reden... Man könnte Ihnen eine Vorschußzahlung geben. Mit Ihnen würde ich die Ausnahme machen...“
Der junge Freidank war so überrascht, daß er weder zustimmende, noch ablehnende Worte fand. Etwas in ihm sprach dagegen. Und dann schrie doch auch etwas in ihm auf, das war dafür, und das reckte sich in den jungen Muskeln, das sprang heftig durch alle Adern, das war wie ein heißes Verlangen, die Kräfte an fremder Kraft zu messen...
„Also, ist gut!“ sprach Immermann inzwischen mit seinem gutmütigen Lächeln, „Sie lassen den gelehrten Kram und die Dichterei schießen und kriegen bei uns Kontrakt... Bin ich ein anständiger Mensch, ja? — Helfe ich Ihnen vernünftig aus der Patsche oder nicht? — Gut. Sie lernen bis zum 1. Dezember gut ringen. Es ist ein Stück Arbeit, aber es geht. Nehmen Sie einen Trainer, der was versteht, und arbeiten Sie fleißig. Ich schreibe Ihnen eine Anweisung auf fünfzig Mark aus, damit Sie den Trainer bezahlen können... Nein, Sie brauchen sich nicht zu bedanken!“ rief der kleine, blonde Herr freundlich, „Sie geben mir ja eine Quittung dafür!... Wollte, ich hätte ’mal ’n Jungen wie Sie. Meiner ist mir mit zwölf Jahren ertrunken... Ja, was ich sagen wollte: wissen Sie ’n guten Trainer? Ich wüßte einen. Hier ist die Adresse, notieren Sie: André Leroux... Also, abgemacht, junger Freund! Montag holen Sie sich den Kontrakt!“...
III.
Es schwirrte Eberhard vor den Augen, als er auf die Straße trat, und in seinen Gedanken war eine sonderbare Leere. Er hatte dieses Haus mit gar so anderen Hoffnungen und Wünschen betreten und wußte nun nicht, ob er besser oder schlechter dran war, als zuvor.
Im Hauseingange, nahe dem Tore, hing wieder das gelbe Plakat aus dem Theaterbureau. Vorher war es dem jungen Manne nicht aufgefallen, jetzt blieb er davor stehen. Zwei ganz junge Mädchen, die leichtfüßig durch den Torweg geschritten kamen, blieben ebenfalls stehen, lasen von den vierundzwanzig Ringkämpfern und lachten. Dann sagte die eine, sie habe noch nie Ringkämpfer gesehen; was das wohl für Leute sein möchten? Das andere Mädchen, welches Annette genannt wurde, machte bewundernde und schwärmerische Augen und erwiderte: „Natürlich sind sie schrecklich stark; furchtbar groß und breit; ungefähr zwei Meter groß oder so...“ „Ich bin ein Meter fünfundfünfzig,“ sagte die erste leise.