Filippo hat seinen Hass und Neid nicht länger bändigen können. Es wird ihm nicht gelingen, in das hochzeitliche Gemach Astorres und Lavinias allein einzudringen. Aber wozu fremde Meuchelmörder dingen? Feinde genug hat Astorre in der eignen Familie: einer der ärgsten ist Carlo Braglione, der immer zurückgesetzte, ärmere Vetter des Bräutigams. Carlo zieht noch einen Todfeind der Braglione, Herrn Girolamo della Penna, in die Verschwörung. In der Nacht, als Amor das hochzeitliche Zimmer mit seinen höchsten Fröhlichkeiten erfüllt, dringen die drei ins Gemach, nachdem sie die Wächter, erprobte Diener der Braglione, niedergemetzelt haben. Astorre springt vom Lager auf, er sucht sein Schwert; da durchbohrt ihn von vorn der Damascener Dolch des furchtbaren Filippo, während Carlo ihm seinen Degen durch den Rücken rennt. Ein gewaltiges Getümmel entsteht; der greise Vater und der junge Bruder Astorres kommen zu Hilfe: Carlo und Girolamo schlachten beide in wilder Mordlust, sie schlachten und durchbohren, was vor ihre Klinge kommt. Filippo allein hat an dem einen Opfer genug. Heulend, wie ein wildes Tier, wirft er sich über Astorre, der im letzten Kampfe röchelt, reißt ihm die Brust auf, zerrt das blutende Herz hervor und beißt mit seinen Tigerzähnen in das blutende Herz. — Da ist seine Gier gestillt, nun kann er an die lebendige, blühende Beute denken. Es wird noch einen heißen Kampf kosten, Lavinia Braglione zu erobern! — Und das Unfaßliche geschieht, selbst dem Mörder unerwartet: Lavinia stürzt freiwillig in die Arme des Starken.... Mitten in dem Hochzeitsgemach, das mit Leichen angefüllt ist, steht die Jungvermählte und reicht Filippo die geöffneten Lippen zum Kuß....
„Ich werde es mir überlegen —,“ sagte Direktor Holderbaum, innerlich freudenvoll, „ich werde es mir überlegen ... Immerhin eine Idee darin. Der Triumph des Starken...“
„Über die Schwachen, ja,“ sagte Eberhard.
„Von Ihrem Stück abgesehen: glauben Sie, daß die Starken ein moralisches Recht haben, die Schwächern einfach niederzutreten?“
„Sie tun es doch....,“ erwiderte der junge Mann nachdenklich. „Wer fragt den Sieger nach Recht oder Unrecht?“
„Und unsere Religion, Herr Freidank, welche die Hilflosen schützt? Und unsere moderne Staatskunst?“
„Sie haben uns beide keinen Gefallen damit getan, Herr Holderbaum, daß sie die Minderwertigen protegieren. Diese Schwachen nehmen den Starken Platz weg.... Licht und Luft weg....“
— — Zwei Tage später wurde Eberhard wieder zu dem Theaterdirektor beschieden. Der kleine Mann tat heute ganz vertraut und familiär und zog Eberhard in sein Privatkabinett. Bei Wein und Zigarren plauderte er:
„Hören Sie an, mein lieber junger Dichter, was ich Ihnen sage! Ihr Stück ist gut. Es ist sogar sehr gut. Aber .... Nun gut, kommen wir zur Sache! — Ich selbst habe eine Idee! Eine brillante Idee! Für ein Theaterstück. Es soll, gewissermaßen, ein Sensationsstück werden. Ein Kassenstück! Die Kunst ist schön und erhaben, gewiß. Ich lebe nur für die Kunst! — — Aber was nutzt die beste Kunst, wenn mir mein Kassierer nicht bestätigen kann: Es ist eine gute, es ist eine einträgliche Kunst —!“
Auf solchen Umwegen kam er endlich zu dem Kern seiner Rede. Er hatte eine Lustspielidee. Es war eine banale, dabei aber tolle und verwickelte Handlung. Er brannte darauf, dieses Stück auf seine Bühne zu bringen. Dabei hatte er nicht den mindesten Autoren-Ehrgeiz, o nein! Er hätte das Stück nicht selbst schreiben können. Er wollte auch gar nicht als Verfasser gelten. Freidank sollte — o gewiß, das könnte er! — seiner Idee Worte und Ausdruck leihen. Schließlich rückte er mit seinem Vorschlage heraus: