Freidanks Renaissance-Schauspiel sollte zu Beginn der kommenden Saison aufgeführt werden. Als erste Winterneuheit, jawohl! — Er steckte nicht im Publikum und in der Kritik drin. Aber so viel glaubte er als erfahrener Bühnenmann heute schon sagen zu können? es würde ein literarischer Erfolg werden. Dadurch wären eine Reihe von Aufführungen gesichert.... Als nächste Neuheit sollte dann das Lustspiel nach Holderbaums Idee folgen. Wenn Freidank einverstanden wäre, dann wäre sein Drama angenommen. Jawohl, angenommen!
Freidank war einverstanden. Ach, es war ja alles so viel mehr Glück, als er hatte hoffen dürfen! — Als er auf die Straße hinaustrat, kamen ihm alle Menschen geputzt vor. Ein kleines, armes Mädchen, welches ihm Blumen anbot, schien eine lächelnde, verschwenderische Fee zu sein. War keiner da, mit dem man reden konnte? Keiner, in dessen Gesellschaft man sein Glück feiern konnte? Freidank sah unwillkürlich die Straße entlang. Dort unten — oder täuschten ihn seine Augen? — dort kam Hermann Thyssen, die Hände in den Taschen, die schönen Augen über alle Menschen, die den großen, auffälligen Mann neugierig anstarrten, hinweg in die helle, sonnenscheindurchleuchtete Frühlingsluft gerichtet. Thyssen wollte ihn indessen vielleicht nicht mehr kennen, nachdem er seiner Laufbahn als Ringkämpfer so schnell den Rücken gekehrt hatte, ohne viele Gründe anzugeben? — Aber er irrte sich. Thyssen erblickte ihn einen Moment später. Seine dunkeln, hochmütigen Augen leuchteten flüchtig auf, als er lächelnd den „Dritten“ seiner großen Dezemberkonkurrenz begrüßte:
„Tag, Roland! Ausreißer müßt’ ich eigentlich sagen. Du bist also doch lieber bei deinem jeistigen Jeschäft jeblieben? Schade um dich. Du bist jute Klasse... wärst erste Klasse jeworden...“
Nachdenklich sah er Eberhard an.
„Na, du bist wohl jetzt unter den Berliner Amateurringern Hecht im Karpfenteich?“ fragte Thyssen.
„Auch das nicht,“ sagte Eberhard betrübt. Es war plötzlich eine Freude in ihm klirrend zersprungen, wie eine Geigensaite. Beim Anblick des stolzen Champions, der die kleinen Menschen auf der Straße überragte, wie die Tanne das Unterholz, schien ihm mit einem Male, daß er einen schlechten Tausch gemacht hätte. Die große Freude, die ihn kurz vorher erfüllt hatte, war seltsam matt geworden...
„Wollen ’mal ’n lütten Frühschoppen machen, allright?“ schlug Thyssen vor. „Hast doch Zeit, Roland?“
Er hatte Zeit. In der farbigen Dämmerung der alten Weinstube saßen sie bei den Römern und redeten über leichte und ernste Dinge.
„Von Nizza komm’ ich. Gott, da unten haben sie einen Enthusiasmus — —! Obwohl es den Französ’chen nicht gerade gefiel, daß ich alle ihre Landsleute aufs Kreuz legte, waren sie doch... Nein, das ist unbeschreiblich! Das muß man gesehen haben! — Hernach ist man dann doch froh, wenn man zu Hause in Deutschland gerade in den herben Frühling hineinkommt.“
„Und wohin reist du jetzt, Thyssen?“