„Nach Kölle —!“ sagte der Champion lächelnd im wohlklingenden, schleppenden Dialekt seiner Heimat. „Da unten bin ich doch am liebsten. Ich hab’ überall gerungen, nicht wahr. In London, in Paris — in Rußland — in Persien — in der Türkei — nun überall... Ich hab’ über hundert Meisterschaften. Aber in Köln — —! Wenn ich nach Kölle komm’, sagt jeder köll’sche Jung’: verdammt, dat Hermännche ist wieder da — —!“
Er schlug lachend und ein wenig verlegen mit der starken Faust auf den Tisch. Gewiß, er war stolz auf seine Kraft und seine Volkstümlichkeit. Aber wie liebenswürdig war er in diesem natürlichen Selbstbewußtsein! Wahrlich, er hatte Grund, stolz auf sich zu halten!
„Und du?“ fragte Thyssen jetzt, die Augen fest auf Freidank gerichtet. „Examen gemacht? — Schulmeister in spe?“
„Ich hab’ ein Stück geschrieben,“ sagte Freidank.
„Ach?! Wann wird es denn aufgeführt?“
„Ende August, hoff’ ich.“
„Laß’ mal sehen,“ überlegte Thyssen. „Ich werde vielleicht zu dieser Zeit hier sein. Im Juli bin ich in Ostende... im Dezember in Wien... Ich werde also bei der Premiere klatschen helfen können...“
„Wenn mein Stück nicht durchfällt!“ scherzte Eberhard.
„Das wär’ auch kein besond’res Malheur,“ sagte der Champion, der schon viel Glück und Leid hatte aufblühen und vergehen sehen, freundlich. Er, der so stark und ruhig war, nahm die Widerwärtigkeiten des Lebens, die zu jeder Zeit auch an ihn herantraten, nicht recht ernst. Mit seinen starken Händen und seinem ausgeglichenen Charakter schob er Menschen und Schicksale, die sich ihm hindernd in den Weg stellten, mit ruhiger Rücksichtslosigkeit beiseite. „Kein besond’res Malheur,“ wiederholte er gleichmütig. „Dann wirst du einfach wieder Ringkämpfer. Ich kenn’ kein Malheur außer Krankheit — — Alles andre läßt sich schieben... entweder, oder...“