Er hatte früher nie gedacht, daß die Aufführung eines Schauspieles so viele unerfreuliche Stunden, so kleinliche Verdrießlichkeiten und langwierige Verhandlungen mit sich bringt. Oft kam er verärgert von der Probe nach Hause, und eines Abends erklärte er Theresen leidenschaftlich, daß er nun vor der öffentlichen Aufführung keinen Fuß mehr in das Theater setzen werde. Irgend jemand hatte irgend etwas von seiner kurzen Athletenkarriere aufgeschnappt und kolportiert. Nun gab es hier und dort törichte Anspielungen und hinterhältige Bemerkungen, die dem ehrlichen, schweigsamen Menschen das Blut in den Kopf trieben. Mit der Feder, ja, und mit der Faust wollte er jeden Halunken bedienen, der ihm übel wollte. Aber wer kam gegen die verschleierten Stachelreden dieser Zwergenzunft auf?

Therese lachte über seinen Zorn:

„Ist das möglich, daß mein lieber großer Roland so viel Ärger aufbringt, so lang und stark wie er ist? Du hast keine Ursache, beleidigt zu sein, Eberhard! Wenn dich jemand verletzen will, so höre nicht darauf... Oder noch besser: bleibe den Verdrießlichkeiten fern. Tu’ irgend etwas anderes...“

Er sah über sie hin und sagte, wie beiläufig:

„Wäre ich Ringkämpfer geblieben, auch du wärest besser d’ran...“

Sie blickte ihm ernsthaft ins Gesicht, welches seit einigen Wochen oft müde und verdrießlich aussah. Ein Gedanke kam ihr:

„Was hindert dich, Eberhard, zu deinem Vergnügen zu trainieren? du hast Zeit genug. Es wird dir gut tun. Trainiere bei André Leroux, Eberhard!“ —

André Leroux war stolz, daß Roland, der sich damals mit einem Schlage in den Sportkreisen einen Namen gemacht hatte, wieder zu ihm kam. Er hatte sich inzwischen mit einem jungen, vermögenden Mädchen verheiratet und konnte nun der Sportleidenschaft, die sein Herz fast ganz ausfüllte, in größerem Maßstabe huldigen. Er hatte sich den sehnlichen Wunsch erfüllt, die Trainierhalle auf längere Zeit zu pachten und mit modernen hygienischen Einrichtungen nach englischem Muster und eigenen Ideen auszustatten.

Mit wahrer Schöpferfreude führte er Freidank herum. Es gab jetzt in André Leroux’ Trainierhalle warme und kalte Bäder und Douchen, Feldbettstellen mit wollenen Decken und einen elektrischen Massage-Apparat. Herren und Damen konnten jetzt jede sportliche Bequemlichkeit bei ihm haben!

„Damen?“ fragte Freidank, „Artistinnen haben doch schon immer hier geübt?“