Am andern Tage kam er gegen Mittag zu seiner Braut, hübsch, energisch und aufgeräumt. Mama Ambrosius tat pikiert, weil Therese viel später, als es sich nach Ansicht der Mutter geziemt hätte, nach Hause gekommen war. Sie machte Freidank darüber Vorwürfe und sagte, daß er zu allem Unrecht, was er ihrer Tochter bereits angetan habe, nun noch die schlimmste Sünde füge, ihren ehrbaren Ruf zu rauben.

„Ich will gar nicht von der entsetzlichen Blamage des gestrigen Abends reden,“ fuhr sie bitter fort. „Sie wollten den Erfolg mit aller Gewalt erzwingen... Da haben Sie das, was man mit Gewalt ausrichtet! — Hätten Sie Ihr Staatsexamen gemacht... nachher, wenn es Sie schon dazu zog, für Zeitungen geschrieben... kleine Artikel...“

„Wie Adolf Tönnies, nicht wahr?“ fuhr er dazwischen.

„Allerdings! — Er hat bescheiden angefangen... er wird sich hinaufarbeiten...“

„Erlauben Sie, liebe Schwiegermama,“ sagte Freidank höflich, „daß Therese und ich es anders anfangen! Nämlich, daß wir es doch mit der Gewalt erzwingen. Ich bin doch kräftig genug... nicht wahr?“

Er lächelte gutmütig und streckte seine großen, starken Hände aus.

Ehe indessen der Sinn seiner Rede der zornigen Dame ganz klar geworden war, schellte es und es kam Besuch; Therese, die durch einen Spalt in der Türe hinausgelugt hatte, kam zurückgesprungen, flog Eberhard um den Hals und flüsterte lachend:

„Es ist Adolf Tönnies!“

Tönnies wußte nicht, daß Eberhard und Therese Verlobte waren und war darum ein wenig erstaunt, Freidank bei den Damen zu finden. Er hätte viel darum gegeben, wenn er sich in diesem Augenblicke hätte unsichtbar machen können; aber er war nicht nur gezwungen, zu bleiben, sondern er mußte sogar höflich mit dem Manne reden, mit dem er vor Monaten so auseinandergegangen war! Denn Eberhard, der den Damen offenbar nichts von den Ereignissen auf jener Weihnachtskneipe der Gryphianer erzählt hatte, hielt die hellen Augen so befehlend, so zwingend auf den kleinen Tönnies gerichtet, daß Adolf die schreckliche Empfindung hatte, unter den herrischen Blicken des andern gleichsam zusammenzuschrumpfen.....