„Nun, Tönnies,“ sagte Eberhard in einer Aufwallung von Mitleid, um dem unglücklichen Kleinen über die Situation hinzuwegzuhelfen, „hast du die Zeitungskritiken über meinen ergötzlichen Skandal gelesen? Ich habe sie nämlich nicht gelesen!“ setzte er lachend hinzu.

„Ich bin wirklich — wirklich entzückt, Freidank, dich trotz dem ärgerlichen Ereignisse bei so gutem Humor zu finden! — Ja, ich habe die Kritiken gelesen... Wie? du hast in der Tat noch keine Zeitung zur Hand genommen!“

„Warum sollte ich?“ fragte er munter, „kann ein Zeitungsbericht an den Tatsachen etwas ändern?... Nun also! — Damit soll keineswegs gesagt sein, daß ich mich jetzt nicht noch dafür interessiere... Hast du zufällig Morgenblätter bei dir?“

Tönnies zog dienstbeflissen mehrere Zeitungen heraus. Da fand sich, daß die Kritiker der Zeitungen das vernichtende Urteil der Zuschauer nicht bestätigten. Sie rühmten die Fabel, sie lobten den Dialog, aber sie verwarfen eines: das, was sie die Tendenz des Stückes nannten. Die Zuschauer, so behaupteten sie, hätten ein richtiges, gesundes Gefühl bewiesen, indem sie eine Dichtung ablehnten, in der die verwerflichen Instinkte des Menschen: Mißbrauch seiner Stärke, verbunden mit Roheit und Grausamkeit, auf den Thron gehoben würden...

„Nebenbei...,“ sagte Eberhard mit freundlichem Ernste, „nebenbei hatte mein Stück keine Tendenz. Böswilligkeit hat eine Absicht hineingelegt... Das ist aber nun gleichgültig. Mich treffen keine Pfeile mehr. Die fliegen daneben. In die Luft!“

Er lachte, sein gutes, gesundes Knabenlachen, welches dem jungen Manne, der schon einige frohe und schmerzliche Erfahrungen hatte, ebenso schön anstand, wie es ihn in der sorgenlosen, unschuldigen Jünglingszeit geschmückt hatte. Tönnies sah es und fühlte, daß dieser jungen Kraft nicht durch Verrat der Freunde, nicht durch Verachtung, noch durch Mißerfolge und Widerwärtigkeiten beizukommen war. Der war aus dem Eichenholze seiner Niedersachsenheimat, der stand auf starken Wurzeln, freute sich in naiver Selbstsucht der eignen Kraft und verspottete, die ihm feind waren!

Als Tönnies sich empfahl, reichte er dem ehemaligen Freunde die Hand. Es war fast, wie eine Abbitte, und er tat es nicht ohne Überwindung. Aber Eberhard nahm sie nicht. Heut’ stand er, obwohl er dazu gar keinen Grund zu haben schien, wie ein Sieger da und rächte sich an Tönnies, der seine runden Augen auch jetzt noch in heller Bewunderung auf Thereses Dianengestalt ruhen ließ:

„Ja — du kannst mir auch gratulieren, Tönnies! Therese und ich, wir haben uns lieb! Und wir heiraten in der allernächsten Zeit... Du siehst, ich habe mehr wie gewöhnliches Glück gehabt!“

— „Wie stellen Sie sich das ‚Heiraten in der allernächsten Zeit‘, von dem Sie soeben Herrn Tönnies Mitteilung gemacht haben, vor, Eberhard?“ fragte Mama Ambrosius giftig, als kaum die Schritte des Besuchers auf der Treppe verhallt waren.