„Sehr einfach, liebe Schwiegermama! — Sie glauben doch selbst nicht, daß ich mich nach dem negativen Erfolg meines Stückes auf diesem Gebiete noch öfter auslachen lassen möchte? — Ich hätte auch nicht die Mittel zu solchem Luxus. — Und soll ich mich in irgendeine Schreibstube setzen? Vielleicht Bureaubeamter werden? — Ach nein! Dazu hat mir der liebe Gott die gesunden Glieder nicht gegeben. Auch will ich meiner Frau eine bessere Zukunft bieten, als die, die sie an der Seite eines schlechtbezahlten Beamten erwarten würde!“

„Was haben Sie also vor?“ fragte Frau Ambrosius beunruhigt.

„Erraten Sie es nicht? Ich werde sofort wieder Ringkämpfer!“ sagte Eberhard gelassen. „Die Gage, die ich dabei verdiene, erlaubt mir, mich in wirklich sehr kurzer Zeit zu verheiraten... Und das ist unser sehnlichster Wunsch!“ setzte er hinzu und blickte Therese innig an.

Frau Ambrosius war außer sich. Wie? das wagte er ihr zu sagen? Hatte er denn vergessen, was sie ihm vor acht Monaten deutlich genug gesagt hatte? Wäre es noch nicht genug des Unerfreulichen, ja, des Skandalösen! das er über sie gebracht hätte? — Niemals würde ihre Tochter Therese....

„Das traf vielleicht damals zu,“ sagte Eberhard sanft. „Heute, verehrte Schwiegermama, ist Therese wohl anderer Meinung geworden. Liebe ich Therese, weil sie das Telephon bedient? Nein! ich liebe sie selbst, ihren Leib und ihre Seele. Nun, darum glaube ich auch und weiß, daß Therese mich liebt, mich, und nicht meinen Beruf...“

Frau Ambrosius geriet in unendlichen Zorn. Mit ihrer Einwilligung, das schwor sie, sollte Therese nicht die Frau eines Ringkämpfers werden, der herumreiste, wie ein Zigeuner, der sich auf öffentlicher Bühne preisgab, ja, allen Blicken preisgab!

Freidank antwortete auf ihre überstürzten Reden, auf ihre Vorwürfe und ihre Tränen mit großer Sanftmut. Er wollte keine bindenden Zusagen haben, nicht heute, nicht in dieser Stunde! In einigen Wochen würde Frau Ambrosius ruhiger über diese Dinge denken.

„Nie werde ich darüber anders denken!“ rief Madame Ambrosius empört, „nimmer werde ich dazu meine Einwilligung geben! — Therese bleibt bei mir..! Gar nichts gilt die Verlobung in meinen Augen! — Oh! hätten Sie nicht Ihren Ruf aufs Spiel gesetzt! hätten Sie meine Tochter nicht kompromittiert — —! Was Sie tun, geht mich und meine Tochter in Zukunft nichts mehr an! Gehen Sie hin, werden Sie Ringkämpfer! Werden Sie unserthalben Clown! Tun Sie, was Sie mögen, nur verlassen Sie mich jetzt!“

„Leben Sie wohl, verehrte Schwiegermama!“ sagte Eberhard gelassen. „Sie werden gestatten, daß ich mich von Therese verabschiede... Therese, mein Lieb!“ — — —