„Bleiben Sie, Madame, bleiben Sie!“ rief Gregor Kaufmann in seinem harten Russendeutsch, „sonst, bei Gott, laufe ich Ihnen nach und schließe mit Ihnen den Kontrakt ab...“

„Bleibe, Therese!“ lächelte Freidank. Sie sah ihren Geliebten freundlich an und ließ sich leise wieder nieder, indem sie mit einer lieblich schamhaften Bewegung ein weißes Tüchlein, das ihr von den Schultern geglitten war, um den Hals zog und seine Enden vorne kreuzweise übereinander legte.

Der fremde Ringkämpfer sah ihr interessiert zu. Gewöhnt, daß die Frauen ihm zufielen, wie reife Äpfel beim Schütteln, fand er die wenigen Frauen, die sich nicht um ihn kümmerten, originell und begehrenswert. Ihm fiel übrigens soeben der Handel ein, der sich unter den Ringkämpfern herumgesprochen hatte, jene unbedenkliche Vereinbarung zwischen Freidank und Thyssen, bei der Freidank den dritten Platz in der Konkurrenz gegen Abtretung seiner Freundschaftsrechte auf Fräulein Fritzi l’Alouette erhalten hatte ... Eine sonderbare Gedankenverbindung durchkreuzte sein Hirn:

„Madame, wollen Sie, daß Roland Zweiter wird?“

„Habe ich das zu wollen?“

„Würde ich Sie sonst fragen, Madame?“

Sie sah ihn an, zweifelnd, ob er scherze. Aber er sah gar nicht scherzhaft aus. Er lehnte nachlässig an dem Kamine und rauchte eine dünne, parfümierte Zigarette. Seinen kurzgeschorenen Kopf mit dem scharfen Profil, dessen Züge gleichzeitig Begehrlichkeit, Übersättigung und gesunde Roheit verrieten, hatte er weit nach hinten auf das grüne Kachelsims gelegt. Er trug keine weiße Wäsche. Sein Hals ragte aus einem gleichgültig umgeschlungenen, baumwollenen Tuche empor, und seine Kleider sahen aus, als wenn sie nicht für ihn gemacht wären.

„Also bitte, Madame,“ sagte er zwischen zwei Zügen, ohne die Zigarette aus dem Munde zu nehmen.

„Gewiß,“ sagte Therese verlegen, „natürlich, Herr Kaufmann!“

„Sie hören es, Roland,“ sagte Gregor nonchalant, „ce que femme veut, Dieu le veut, Sie wissen...! Also ich engagier’ Sie als Zweiter. Championat von Sankt Petersburg gehört dazu. Unterschreiben Sie doch diesen Wisch da... Madame, sind Sie die junge Frau, die Roditscheff die „Thres’ Roland“ nennt?“