„Wer ist sonst von der Partie?“
„Alle!... Der Fürst Nemetzki... die Radewskaja ... Roditscheff... Gregor Pawlowitsch....“
„So?...“ unterbrach Nuit d’étoiles mit Ungestüm, „nun, ich werde heute abend mitfahren, Liebe!“
Iwan Lejkins Troika stand vor dem Eingange. Der Generaldirektor wartete voll Ungeduld auf Therese Ambrosius, mit der er seinen Schlitten besteigen und nach Strelna davonfahren wollte. Ein Teil der Schlittengesellschaft war schon vorausgefahren. Auf der Bühne hatten Roland und Gregor Kaufmann als letztes Kämpferpaar unentschieden miteinander gerungen. Nun wartete Chrysée mit Theresen, Chrysée ganz von der leidenschaftlichen Hoffnung erfüllt, daß es ihr gelingen werde, einen Schlitten mit Gregor Pawlowitsch zu erhalten. Lejkin, in seinem kostbaren Zobelpelz, stand und fluchte, daß Therese nicht kam. Nun würde er sie schließlich trotz aller Mühe nicht auf der Fahrt allein für sich haben! Endlich kam die Gesellschaft herbei. Kaufmann und Freidank waren in lebhaftem Gespräch. Mit jedem Moment sah Nuit d’étoiles ihre Hoffnung auf ein ungestörtes Beisammensein mit dem Champion mehr schwinden ... Es gab noch zwei Schlitten. Die Troika bot ausreichend Platz für drei Menschen, der andere Schlitten nur für zwei. Chrysée gelang es, Gregor Pawlowitsch unbemerkt zuzuflüstern:
„Fahr’ mit mir, ich bitt’ dich, Gregor, ich bitte dich...“
„Sei nicht so zudringlich!“ sagte er halblaut über seine Schulter hin, und laut:
„Väterchen Iwan Iwanowitsch hat den Vortritt! Wir überlassen ihm unsere Damen... la belle Nuit d’étoiles und die allerschönste Thres’.... Wir verzichten beide...“
Innerlich fluchend, mußte Generaldirektor Lejkin mit beiden Damen seinen Schlitten besteigen. Die beiden Ringkämpfer stiegen in den Mietsschlitten. Die Pferde zogen an, die abgestimmten Schellen erklangen, und sausend jagten die Schlitten über den schimmernden Schnee der nächtlichen Straßen dahin. Dann blieben die belebten Straßen hinter ihnen. Die Troika fuhr wie der Sturm dahin und überholte eine Menge anderer Schlitten, die dasselbe Ziel hatten. Die drei Insassen saßen dicht nebeneinander, Chrysée in der Mitte. Noch hatte keiner ein Wort gesprochen. Da griff Lejkin, ärgerlich, daß er Theresen nicht neben sich hatte, unter der Pelzdecke nach Madame Chrysées Hand, um sich an ihr einigermaßen schadlos zu halten. Bei seiner Berührung zuckte Chrysée zusammen, brach jäh in bittere Tränen aus und weinte haltlos:
„O, mein Gott, er hat mich verraten! Der Entsetzliche, der Treulose — er will nichts mehr von mir wissen! — So lange er mich brauchte, früher, in Südrußland, zu Anfang seiner Karriere, da tat er, als ob er mich liebte! — Alles, was ich hatte, habe ich ihm gegeben! Alles! — Aber es ist nicht um das... Es ist nur um seine Liebe...“
Der kalte Wind fuhr Nuit d’étoiles ins Gesicht und ließ die Tränen auf ihren Wangen zu Eis erstarren...