„Wer denn? Von wem reden Sie denn?“ fragte Therese mitleidig und erschrocken, während Lejkin, der schon viele stürmische Szenen mit Theaterprinzessinnen erlebt hatte, ziemlich gleichmütig zuhörte.

„... Gregor Pawlowitsch!“ weinte Chrysée herzbrechend.

„Ja, weshalb denn!“ sagte Therese und fuhr in der Absicht, zu trösten, ahnungslos fort: „Warum läßt sich das nicht wieder ändern? nicht gutmachen?“

Chrysée stieß unter Tränen hervor: „Um Ihretwillen! — um Ihretwillen kann er mich nicht mehr leiden... stößt er mich weg...“

„Um meinetwillen? — O Gott, welch’ ein Irrtum!“

Therese konnte kein Wort hervorbringen; sie konnte nichts gegen Nuit d’étoiles Behauptung sagen. Sie hielt die kleine, zerbrechliche Hand der Griechin in ihren warmen Händen, während Chrysée in ihren schluchzenden Bekenntnissen fortfuhr:

„Um Sie näher kennen zu lernen, verkehrte ich mit Ihnen... Sie taten nichts Schlechtes, Thres’; Sie sind gut... O, Thres’, aber ich liebe Gregor Pawlowitsch! Nehmen Sie mir Gregor Pawlowitsch nicht weg!“ —

Der Schlitten hielt an, das Vergnügungsetablissement war erreicht. Diener in altrussischer Tracht nahmen den Herrschaften die Pelze ab; alle begaben sich in den kleinen Palmensaal, der für Lejkins Gesellschaft reserviert war. Lejkin selbst führte Therese zur Tafel, stolz, wie ein König seine Königin. Er war sterblich in das schöne Mädchen verliebt. Jeder einzelne mußte es bemerken. Auch Nuit d’étoiles, die die Tränenspuren nach Möglichkeit verwischt hatte, hätte blind sein müssen, wenn sie seine offenkundigen Huldigungen nicht gesehen hätte. Diese Beobachtung tröstete sie ein wenig, zumal als sie bemerkte, daß Therese die Bewunderung des reichen Generaldirektors Lejkin nicht ungern zu sehen schien....

Eine kleine Kapelle geputzter Zigeunerinnen spielte pikante, ins Ohr fallende Melodien. Die Primgeigerin, eine prächtige Ungarin, war in Sergej Roditscheff verschossen. Sie wollte durchaus mit ihm nach Hause fahren.