„Wenn ich dir doch sage: ich mag nicht, Mütterchen Ilonka!“ rief Roditscheff lachend, „ich werde dir aber einen anderen Verehrer besorgen, tiens!“
Er ging hinaus. Im großen Kameliensaale des Etablissements wurde an einzelnen Tischen soupiert. Herren aus der Aristokratie und der reichen Börsenwelt suchten lustige Gesellschaft oder hatten sie bereits gefunden. Ein hübscher, bartloser junger Offizier und sein Vetter, ein hoher Ministerialbeamter, stürzten auf den Ringkämpfer zu und flehten ihn an, an ihren Tisch zu kommen. Der Ministerialbeamte, der von der leidenschaftlichen Schwärmerei seines Vetters für Sergej Roditscheff wußte, versuchte, ihn durch ein Kleinod, welches er von seiner Uhrkette abhängte und an Roditscheffs Berlockenring befestigte, umzustimmen. Aber er erreichte nur, daß Sergej die beiden Herren bat, zu seiner Gesellschaft in den Palmensaal zu kommen.
Nun mischte sich die Gesellschaft Lejkins allmählich mit anderen Gästen. Der junge Offizier trank mit der Primgeigerin aus einem Glase, die Radewskaja, eine Sängerin, saß einem reichen, lustigen sibirischen Fellhändler, einem Mann mit schneeweißem Apostelkopfe, auf dem Schoße und ließ sich unaufhörlich Goldstücke in den Kleiderausschnitt werfen, Chrysée wollte Gregor Kaufmann eifersüchtig machen und verschwendete darum ihre Liebenswürdigkeit an Freidank, und Lejkin stand ganz in Flammen für Therese. Er führte sie hinter eine Palmengruppe und wollte sie zum Trinken aufmuntern:
„Auf Ihr Wohl, gnädiges Fräulein! Ihr Wohl und meines zusammen...“
Therese lachte und schlug ihn mit dem Handschuh. Ihr kühngeschnittenes, stolzes Dianengesicht hob sich wie eine Gemme von dem dunklen Hintergrunde der samtenen Wandbekleidung ab.
„Ich liebe Sie, gnädiges Fräulein,“ sagte Lejkin, der sich nicht länger beherrschen konnte, indem er einen Kniefall tat.
„Mein Gott, was denken Sie, Iwan Iwanowitsch? Wissen Sie nicht, daß Roland mein Bräutigam ist?“
„Nun, Fräulein, lassen Sie uns ein offenes Wort miteinander reden!“ sprach der Generaldirektor und erhob sich von den Knieen. „Sehen Sie: ich kenne das Leben. Junges Blut ist entzückt von Ringkämpfern, Athleten — kurz: Kraftmenschen. Sie mögen mir glauben oder nicht, das ist nichts für die Dauer... nicht fürs Leben...“