Hin und her flog die Rede der jugendlichen Wissenssucher. Es wurde von den höchsten und den kleinlichsten Dingen gesprochen, von Goethe, von Gott und Vaterland, von jungen Mädchen und Mensuren, von einer fremden Burschenschaft und Kneipen. Man speiste mit gesundem Appetit, man schlug die zinnernen Deckel von den Seideln zurück und sprach dem Biere zu, man plauderte, philosophierte und urteilte....
„Du mußt eine Erbschaft gemacht haben,“ sagte Tönnies tiefsinnig zu Eberhard, „oder einen Einbruch begangen...“
„So ähnlich,“ sprach Freidank mit ruhigem Lächeln, „du mußt es ja wissen, Tönnies!“
Und er ließ seine Augen auf der Tischrunde der Kommilitonen ruhen und dachte mit einer stillen, starken Zufriedenheit im Herzen: „Hier bin ich — ich; unter meinesgleichen; an meinem Platze...“
„Du lieber Gott, halb drei!“ rief Tönnies plötzlich und sprang auf, „und um halb vier habe ich in Charlottenburg eine griechische Stunde zu geben... Bis zum Ersten — indessen nur vielen Dank, Eberhard! — — Du mußt doch eine Erbschaft gemacht haben, sonst hättest du nicht...“
„Am Dreiundzwanzigsten — ja,“ sagte Freidank und sah dem Freunde, der ihm lustig und dankbar derb die Hand schüttelte, lachend ins Gesicht. „Nun, auf Wiedersehen, Adolf!“
„Auf Wiedersehen!“ rief Tönnies, schon unterwegs.
Es war auch für Eberhard mittlerweile Zeit geworden, ins Café Prätorius zu Fritzi zu gehen. Er winkte den Kellner herbei, bezahlte — wieder gab es ihm einen Stich ins Herz — mit dem Gelde des Theaterdirektors, und ging davon.
Er ging mit langen, schnellen Schritten dorthin, wo seine Freundin Fritzi ihn wohl schon erwartete; denn Eberhard hatte sich gegen seine Gewohnheit um einige Minuten verspätet. Hastig trat er in das kleine, um diese Stunde wenig besuchte Caféhaus ein und sprang die schmale Wendeltreppe ins obere Stockwerk empor, wo er die zierliche Gestalt der Freundin in eins der kleinen Ecksofas geschmiegt zu sehen erwartete. Aber Fritzi war noch nicht da, und der junge Mann hatte noch länger als eine Viertelstunde in Sehnsucht und Ungeduld an seinem Fensterplatze auszuharren, ehe er seine Freundin mit keck hochgehobenen Röcken über den Straßendamm hüpfen sah. Er wollte sich ein wenig über ihre Unpünktlichkeit ärgern, aber als er ihre flüchtigen Tritte auf der Stiege hörte, verging sein Herz vor Liebe und vor Freude, die Geliebte zu sehen...
„Liebe Fritzi!“ sagte er alsbald, „sage mir, wozu du das Geld so notwendig brauchst, und... ich werde es beschaffen, wahrhaftig, ich werde es beschaffen... Zwanzig Mark wolltest du... Ich habe sie nicht, Fritzi... Oder vielmehr, ich habe sie, aber sie sind, sozusagen, nicht mein... sie sind fremdes Geld... für einen bestimmten Zweck mir übergeben...“