Sie hörte ihn nicht mehr. Sie war aufgesprungen, um von der Stimme des Versuchers weg zu ihrem Freunde zu eilen. Roland saß auf einem niedrigen Bänkchen. Chrysée saß an seiner Seite. Sie saß kaum mehr; halb lag sie auf der Erde, hielt seine große, feste Hand in ihren schmächtigen Fingern und drückte heiße Küsse auf die Hand des Ringkämpfers. Gregor Kaufmann ging gerade allein vorbei, die Hände in den Hosentaschen, das wollene Halstuch noch nachlässiger wie gewöhnlich umgeschlungen.

„Chrysée!“ rief er laut, „es ist ein Vergnügen für mich, dich so gut versorgt zu sehen!“

Chrysée geriet bei dem Klang seiner Stimme in wahre Raserei. „O, nicht ihn meinte ich! Dich lieb’ ich, dich! Wer kann mir dich ersetzen?“

„Rege dich nicht auf, meine Liebe,“ sagte er zynisch. „Wenn du sie haben willst, Roland, so kannst du sie behalten!“

Mit harten Schritten ging er in ein Nebengemach. Nuit d’étoiles sprang auf und flog ihm nach. Sie wollte ihn um jeden Preis zurückgewinnen...

„Nette Familienszene, nicht?“ sagte Eberhard lachend zu Theresen, die blaß vor Zorn zu ihm trat. Aber Therese war viel zu sehr erregt, um sich jetzt um Chrysée zu kümmern. Sie sah auch nicht, daß Freidank zu viel des schweren Weins genossen hatte; sie flüsterte hastig:

„Komme fort von hier... gleich... Wenn du wüßtest! Er... Lejkin hat mir....“

Sie erzählte alles, verschwieg kein Wort, welches gesprochen worden war. Eberhard hörte ihr zu. Er gab kein Zeichen von Entrüstung, zog die Augenbrauen hoch und sagte:

„Was tut das? — Gewiß, er ist unverschämt... Aber ich muß das Geld von ihm haben! Ich muß! — Therese, versteh das doch: mit diesem Gelde werde ich mein eigner Herr sein! Gehe scheinbar auf seine Vorschläge ein.... sage zu allem Ja... bis ich das Geld habe...“