Sie ließ seine Kniee nicht los und wiederholte nur:
„Liebe mich doch, du...!“
Gregor Kaufmann, halb ärgerlich, halb amüsiert, löste mit einer schroffen Bewegung die Umklammerung ihrer Hände und stieß die Tänzerin mit dem Fuße fort:
„Nein, Chrysée! Mein letztes Wort! — Laß mich allein!“
Lejkin war in den kleinen Palmensaal zurückgekehrt. Es war Zeit zum Aufbruch nach der Stadt geworden. Aber vorher hatte der Generaldirektor noch das Bedürfnis, mit allen denen, die hier seine Gäste gewesen waren, auf ein Glück anzustoßen, welches doch sein innerstes Geheimnis war... Er ließ neuen Champagner kommen. Alle sollten ihre Gläser an seines klingen lassen, auch Therese, mit der er sich im Einverständnis glaubte, auch Roland, den er mit den zehntausend Rubeln erkauft zu haben meinte, auch Gregor Pawlowitsch, der Nuit d’étoiles nicht mehr ansah und der schönen Therese ungeniert ins Gesicht starrte.
„Keinen Trunk mehr aus den Gläsern nach diesem Trunk!“ schrie Lejkin in die Schar seiner Gäste hinein und schmetterte den kristallenen Kelch zu Boden. Die berauschten Gäste taten ihm jubelnd nach. Chrysée griff unsinnig nach den Scherben von Gregor Kaufmanns zerbrochenem Glase, zerschnitt sich die Finger und ein dünner, heller Blutstrom lief über ihre kleine Hand. Freidank griff sofort zu und drückte ihr die Schnittwunde fest zusammen. Chrysée, in wilder Erregung, wußte nicht mehr, was sie tat. Unter trunkenen, hysterischen Tränen warf sie sich Roland an den Hals und rief:
„O Roland, du bist gut zu mir! Ich liebe dich! Fahr’ mich nach Hause, Roland... fahr’ mit mir im Schlitten... Ich fürchte mich so sehr!“
„Tun Sie es ohne Sorge!“ rief Lejkin fröhlich. „Das gnädige Fräulein fährt gut und sicher in meinem Schlitten!“
Die ganze Gesellschaft fuhr unter großem Lärm und Jubel ab. Die Peitschen knallten, die vielen Schellen läuteten, und heim ging es unter Geschrei und Jauchzen durch die totenstille Wintersnacht. Nur das dumpfe Aufschlagen der Pferdehufe scholl matt durch die frostklare Luft, die den Schall nicht trug, nur der Klang der Schellen und das Kreischen der betrunkenen Zigeunerinnen.
Allen Schlitten vorauf flog Lejkins Prachtgespann. Jetzt saß der Generaldirektor allein neben der schönen Freundin des Ringkämpfers, aber er hatte sich diese erste Fahrt anders vorgestellt. Nicht einen Schritt kam sie seinem verliebten Begehren entgegen. Die süße, helle Sinnlichkeit, die wie Mittagssonnenschein auf ihrem Wesen und ihren Zügen geruht hatte, war ausgelöscht, und Therese schien wieder kühl und jungfräulich, wie eine Landschaft im Frühlicht. Lejkin versuchte sie um die Taille zu fassen und nahm mehrmals ihre Hand. Aber mit sanfter Entschiedenheit machte Therese sich jedesmal wieder frei: