Der Generaldirektor schritt an dem ehrfurchtsvoll dastehenden Bedienten so hastig vorbei, daß der Diener ihm nicht einmal mehr die Zimmertür öffnen konnte. In der Bibliothek stand Therese, das stolze Profil hell beleuchtet.
„Therese —!“ sagte er und bedeckte ihre Hände mit Küssen.
Von einem der großen Magazine aus gelang es ihr, unbemerkt von Lejkin, der nicht mehr von ihrer Seite wich, noch einmal in das Hotel zu telephonieren, wo sie mit Freidank logierte. — Herr Roland sei noch nicht gekommen, wohl aber habe er vom Hotel de Suède aus telephonisch sagen lassen, daß er mit Geschäftsfreunden zusammengetroffen sei und daß Madame ihn nicht zum Diner erwarten möge...
Um acht Uhr trug der Luxus-Expreß Therese und Lejkin in die sonnige Ferne.
XIV.
Möchten dir und mir die Schmerzen erspart bleiben, die Freidanks Brust durchwühlten, als er müde, reuevoll und wie zerschlagen gegen Anbruch der Dämmerung heimkehrte und Theresen nicht fand! Im Rausche, in jenem wunderlichen Taumel, den Wein und Habgier im Verein erzeugt hatten, war er, wie mancher Samson vor ihm, dem süßen Girren einer buhlerischen Dalila erlegen. Therese war von ihm gegangen und hatte ihm nicht einmal ein Abschiedswort, aus dem Schmerz oder Empörung schrie, hinterlassen. Mit Verachtung hatte sie sich von dem Treulosen gewendet! —
Im ersten Schmerze kehrte sich seine Wut gegen Nuit d’étoiles. Ach, hätte er sie gegenwärtig gehabt! Er hätte sie niedergeschlagen! Dann fiel dem Reuevollen ein, daß er, der hätte stark sein sollen, dem schwächlichen, zärtlichen Geschöpfe mit seinen naiv animalischen Trieben keinen Vorwurf machen durfte.
Aber die Natur in ihrem milden, weisen Walten läßt nicht eines ihrer starken Kinder an einem unmäßigen Kummer zugrunde gehen. Sie sänftigt, sie lindert und heilt zuletzt, bis von der heißen Verzweiflung nur die ernste, reuige Trauer bleibt.