Claude le Titan, der Champion, saß im Trikot an einem Tische und war vor einem Spiegel eifrig damit beschäftigt, sich zu schminken. Dabei erzählte er ein galantes Abenteuer, welches er gestern erlebt haben wollte und welches erst an dem eben verflossenen Nachmittage ein Ende gefunden hatte....
„Zu was schminkst du dich, Claude?“ fragte Pierre le Forgeron, die „rote Nelke“.
„Ich muß doch den Damen gefallen,“ erwiderte Titan mit ordinärem Lachen.
„Ach, heute abend gefällst du ihnen doch!“ meinte Oeillet rouge, „und wenn du noch so häßlich wärst... Dem Sieger laufen sie in jedem Falle nach....“
Ein Marsch erklang, und ein Pfiff; die wenigen übrig gebliebenen Ringkämpfer marschierten auf. Zum letzten Male wurden sie vorgestellt, und Beifallsgebrüll grüßte jeden einzelnen. Und noch einmal wurde das Ringkampfreglement verlesen.
Breitspurig, selbstbewußt und selbstgefällig standen die Ringkämpfer auf der Bühne, Claude Titan mit seinem eitlen Lächeln, Pierre le Forgeron in seiner ganzen, stumpfen Vierschrötigkeit, Syrin mit seiner lächelnden Frechheit eines frühreifen Knaben.
Roland ließ seine Blicke gleichgültig über das Theater schweifen, dann durch den Kranz der Logen, in denen geputzte Damen saßen, um die Starken zu bewundern und anzubeten.
Aber dort in der ersten Loge, ganz nahe der Bühne, saß eine Schlanke im hyazinthenblauen Kleide. Zwischen den weißen Spitzen, die den Ausschnitt umsäumten, blühte ein Strauß weißer Camelien. Das lichtbraune Haar ihres Hauptes lag wie ein Krönlein über dem stolzen Gesicht, die Hände hatte sie, ohne es zu wissen, auf ihre bebende Brust gepreßt....
Das war Therese Ambrosius.