Es lag in ihrem fröhlichen, strahlenden Gesichtchen etwas Primitives, die Unfähigkeit, zu unterscheiden, Differenzen zu fühlen... Wie jung ist sie! dachte Eberhard, sie kennt nichts, sie weiß noch nichts, sie sieht kaum die Unterschiede im Leben... Er fragte, von ihrer Munterkeit ergriffen, selbst etwas heiterer und sicherer:

„Das ist alles, was du darüber zu sagen hast? — Du bist also eigentlich ganz einverstanden?“ —

„Aber, Eberhard!“ sagte die kleine Brünette, „warum sollte ich wohl nicht einverstanden sein? — Bedenke doch: du verdienst viel Geld... sehr viel Geld wahrscheinlich... du kannst auftreten... du hast Erfolg... O, und nun kann ich auch außerhalb Berlins ins Engagement gehen! Wir können natürlich immer zusammen bleiben! Ich lasse mich einfach immer in derselben Stadt engagieren, wo du sein wirst! Wir bleiben zusammen, und du verdienst sehr viel Geld!“

So weit waren seine Zukunftsträume noch gar nicht geflogen. Er sah ein, daß sie darin recht hatte. Gewiß, sie konnten zusammen bleiben, und er würde dem süßen, schwarzhaarigen Kinde wieder jeden Wunsch erfüllen können. Jetzt, da sie um seinetwillen nur in Berlin Engagements annahm, war er ihr ja sogar im Wege... er versperrte ihr die Karriere... Wenn er über alle anderen Bedenken hinwegkommen könnte...

„Setz’ dich einmal neben mich,“ sagte Fritzi mit einer Zärtlichkeit, die er sonst nicht an ihr gewohnt war. Und als er an ihrer Seite saß, fühlte er mit innigem Erschauern den jungen, zierlichen Mädchenkörper, der sich herzhaft an ihn preßte; warme Hände suchten die seinen, und eine zärtliche Stimme sagte flüsternd:

„Athlet wirst du sein, nicht wahr? Stärker als alle andern... Ach, wie werde ich dich lieb haben, wenn du die andern besiegst!“

Er sah ein Flackern in ihren Augen, jenen Glanz, der bei dem Anblick brutaler männlicher Kraft in Frauenaugen aufleuchtet. Sie wollte ihn betören, ihn entzücken mit ihrer weichen, schmeichelnden Bewegung, und doch wurde Eberhard ein wenig verstimmt und fragte:

„Du wirst mich mehr lieben, Fritzi? Kann das sein?“

„Was stellst du für Fragen!“ erwiderte das junge Mädchen lachend, „mehr... weniger... Ich bin dir gut, das ist doch genug... du fragst immer so komisch, Eberhard!“

Eberhard war erregt; seine Gedanken flatterten hierhin und dorthin: