„Sollen sie doch,“ sagte Eberhard. „Mir soll nur einer kommen... Ich werde ihn schon... Liebe Fritzi, auf Wiedersehn!“

IV.

Der Trainer wohnte in der Linienstraße, in jener Gegend von Berlin, die allen nivellierenden Einflüssen der Hauptstadt zum Trotz noch immer etwas von der Ungebundenheit des Quartier latin bewahrt hat. Dort hausen neben Geschäftsleuten und ehrsamen Bürgern Studenten, Artisten, Künstler, Modelle und Dirnen, dort finden sich originelle Artistenkneipen, Dirnenlokale und Verbrecherkeller, und typische Persönlichkeiten fallen hier weniger auf, als in anderen Stadtteilen.

Eberhard durchschritt die Einfahrt des Hauses, ging über den ersten Hof und durch ein Fabrikgebäude und kam auf den zweiten Hof, wo er den Trainer finden sollte. Dieser Hof inmitten der Stadt hatte einen ländlichen Charakter. Er war nicht durchweg mit Steinen gepflastert und mehrere Bäume standen darin. Eine Anzahl Hühner scharrten die Erde, ein Hofhund lag vor seiner Hütte und hinter einem Drahtgitter spielten ein halbes Dutzend Kaninchen. Aus dem Pferdestall zur rechten Seite kam eine Katze geschlichen und ging langsam an der Mauer entlang, während sie die Augen auf die Hühner gerichtet hielt. An der linken Hofseite stand aber ein vierstöckiges Wohnhaus. Dort wohnte zu ebener Erde der Trainer André Leroux.

Als Eberhard klingelte, rief eine laute Stimme: herein! Der junge Mann öffnete die Tür, trat ein und sah den Trainer mit eisernen Gewichtkugeln hantieren. Der Athlet legte seine Gewichte nicht fort; er sah nur flüchtig auf den Besucher hin und sagte: „Setzen Sie sich inzwischen, bitte; ich muß meine Übungen beenden.“ Eberhard setzte sich auf das alte, grüne Ripssofa und der Athlet fuhr mit seinen Übungen fort.

Eberhard sah sich ein wenig um. Er befand sich in einer großen Küche, die augenscheinlich als Wohngemach und auch zum Kochen benutzt wurde. Obwohl alles praktisch hergerichtet und ordentlich aufgeräumt war, trug der Raum doch das charakteristische Gepräge einer Junggesellenwirtschaft, welches das Fehlen einer Hausfrau verrät.

Die Wände waren sämtlich mit Bildern bedeckt. Plakate mit bunten Abbildungen von Ringern und Kraftmenschen waren mit Reißnägeln befestigt, über dem Sofa hingen gerahmte Photographien einzelner Athleten und ganzer Klubs; ein Kranz aus künstlichen Eichenblättern hing über einem Diplom, und zwischen den Athleten lächelten auch hier und da die Bildnisse von Damen, die dem Trainer mit ihrer Neigung auch ihr Bild geschenkt hatten... Trotz der späten Jahreszeit stand das Fenster weit offen. Ein breites Blumenbrett vor dem Fenster war ganz mit Blumentöpfen besetzt, in denen immergrüne Gewächse standen, dazwischen blühte noch ein rotes Geranium.

„Noch ’n Momang,“ sagte der Athlet zwischen seinen Übungen. „Bin jleich fertig.“ Und wieder hob er die Kugelgewichte bis zur Schulterhöhe und stieß die Arme abwechselnd kraftvoll hoch.