Er trug ein schwarzes, ärmelloses Trikot, welches auf der Brust mit einem gelben Stern benäht war. Die schwarzen Trikothosen reichten nur bis an die Knie, unter denen die festen, braunen Beine, die nackt in Sandalen steckten, hervorsahen. Die Mitte des Leibes war mit einem breiten Lederriemen eng umgürtet. Der Athlet hatte hübsch gewelltes, blondes Haar, muntere, graue Augen und einen überaus fröhlichen, herzförmigen, sehr roten Mund. In seinem Gesichte wäre sonst nichts Auffälliges gewesen. Merkwürdig war allein die braune Tönung seiner Haut. Der ganze Körper des Athleten war tief dunkel, er hatte die eigentümliche, durchsichtige Farbe des braunen Bernsteins. Das Genick, die Oberarme, der Rücken und die Brust waren noch dunkler, als die übrige Haut. Dazu bildete das helle Haar einen seltsamen Kontrast.

Der Trainer stieß seine Gewichte noch zwanzigmal in die Höhe, legte sie dann auf den Boden und rieb sich die kleinen Schweißperlen von Hals und Armen mit einem groben Tuche ab. Dann reichte er Eberhard mit starkem Druck die Hand und sagte lächelnd:

„Sie müssen entschuldjen; Training is Training; darin lass’ ick mir nich störn! — Womit kann ick Ihn’ denn dien’?“

Eberhard nannte sein Begehren: in etwa einem Monate als Ringkämpfer ausgebildet zu werden. Der Trainer schwieg eine Weile und sagte dann:

„Also längstens fünf Wochen... Das is vadammt wenig ... Ringen will ich Ihn’ schon beibring’ in die Zeit. Aba die Kraft, die Se nich haben, kann ick Sie nich jeben... Wie schwer stemm’ Sie denn?“

Das wußte der junge Freidank nicht. „Was, Sie wissen nich mal, wieviel Sie stemmen könn’?“ fragte der Athlet mißbilligend, „na, denn ziehn Sie ’mal ’s Jackett aus und probiern Sie! Das is ’ne 30 Kilostange!“

Aber es ergab sich, daß die Stange viel zu leicht gewählt war. Nun brachte der Trainer eine verstellbare Stange, die er beschwerte, bis sie hundertdreißig Pfund wog. Er lächelte ironisch:

„Na, versuchen Se noch mal... Jetzt wird se Ihn’ woll schwer jenuch sind...“

Er dachte nicht anders, als daß Eberhard nicht imstande sein würde, das Gewicht aufzuheben. Eberhard faßte die Stange fest und drückte sie langsam, erst mit dem rechten, dann mit dem linken Arme, hoch...

Mit dieser Leistung hatte Eberhard sofort die Hochachtung des Trainers, der ihn bis dahin ein wenig von oben herab behandelt hatte, gewonnen. Nun setzte der Athlet sich gemütlich zu seinem Besucher, verabredete mit ihm die täglichen Übungsstunden und erzählte ihm allerhand von seinem Privatleben. — Er tat sich viel auf seine Abstammung aus einer französischen Emigrantenfamilie zugute und behauptete mit sichtbarem Vergnügen, er sei ein halber Franzos. Später fand sich aber, daß er trotz der gallischen Abstammung kein Wort Französisch verstand und selbst die technischen Bezeichnungen des Ringkampfs unglaublich falsch aussprach. Außerdem prunkte André Leroux mit seiner Bildung. Er hatte bei berühmten Bildhauern Modell gestanden und von ihnen allerhand Redebrocken aufgeschnappt, und der große Virchow hatte an seinem geradgewachsenen, schön ausgebildeten Körper oftmals seinem Auditorium die Anatomie demonstriert. Der Trainer zitierte nun Virchow jeden Augenblick und explizierte dem jungen Freidank mit einiger Fachkenntnis die Anatomie des Armes, wobei er ihm zeigte, welche Übungen den Biceps stärkten, und welche zur Ausbildung des Deltamuskels dienten... Er selbst hatte über seinen Körper eine solche Herrschaft erlangt, daß er willkürlich jede Muskelgruppe seines Armes nach Belieben spielen lassen konnte.