Aber er hielt es für geraten, das Küßchen nicht zu geben, denn Eberhards Ringkampf mit dem schönen Adolf war soeben zu Ende und der junge Freidank sprang auf wie ein gereiztes Tier, als er seine Freundin wieder mit dem Athleten schäkern sah.
„Was tust du, Fritzi?“ fragte er, indem er dem Athleten empört ins Gesicht sah, „was tust du hier?“
„Du hast mich ja selbst hierher geschickt,“ antwortete sie kindlich. „Der Herr hat mir die Griffe erklärt...“
Der Zirkusathlet war selbst überrascht von ihrer schnellen Ausrede. Eberhards Gesicht aber wurde sofort freundlicher. Er wußte nicht, ob er nicht einen künftigen Kollegen vor sich hatte, gegen den er nicht ohne Grund grob sein durfte. „Das ist ’was andres,“ sagte er ruhiger.
Willi nahm seinen Vorteil wahr: „Sie jehn aba jut los! — Det ’s natierlich nich det erste Mal, heute?“ —
Eberhard war noch ein wenig mißtrauisch. Er gab dem Athleten eine unverständliche, mürrische Antwort und kehrte verdrießlich an sein Training zurück, indem er beschloß, Fritzi ein für allemal das Betreten dieses Ortes zu verbieten. —
Eberhard war sehr erschöpft, als André Leroux ihm endlich erklärte, daß es für heute genug sei. In der Tat war der junge Mann blaß und seine Gesichtszüge waren erschlafft, wie nach einem starken, körperlichen Schmerz. Leroux hieß ihn sich auf eine Bank legen und massierte ihm noch den ganzen Körper; indessen war Fritzi mit Willi und dem schönen Adolf in der großen Halle allein... Der Trainer rieb ihm mit einer starken Spirituslösung die heftig schmerzenden Muskeln ein, dann mußte Eberhard sich schnell ankleiden. In seinen Kleidern merkte er erst, wie steif ihm alle Gelenke waren. — Fritzi war ganz allein, als Eberhard die Halle wieder betrat. Ehe er etwas sagen konnte, rief sie ihm entgegen:
„Komm schnell mit mir fort! — Ich friere so sehr!“
Er faßte sie bei der Hand; ihre Hand war weich und warm, und sie fror gar nicht... Warum also log sie? Um ihn abzulenken?... Er sah sich um; die beiden Athleten, mit denen er sie zuletzt hatte stehen sehen, waren nicht mehr da. „Nach wem siehst du dich um?“ fragte Fritzi schnell, „nach den Herren? Die sind schon längst fortgegangen!“
Er suchte voll Verdruß und Mißtrauen in ihrem Gesichte etwas, irgend etwas... und fand nicht... Sie lächelte ihn mit ihrem hübschen, kindlichen Lächeln an, wie immer. Nein, ihr konnte er keinen Vorwurf machen! „Gehen wir, Fritzi,“ sagte er, indem er den Arm des jungen Mädchens unter den seinen schob. Im Hinausgehen sagte er dann leichthin: „.... Das sind übrigens keine Herren, Fritzi....“