„Hast du auch dem Agenten zuliebe den neuen Hut gekauft?“ fragte Eberhard.

Sie zögerte einige Sekunden und sah sich nach ihm um, dann lachte sie hell: „Neuen Hut? Ein ganz, ganz alter, Eberhard!“

„Nun,“ sagte der junge Mann, „ich habe doch auch Augen im Kopfe... Soviel ich sehen kann, ist dies ein Hut nach der neuesten Mode, und ein sehr eleganter dazu!“

Da machte Fritzi ein böses Gesicht und erwiderte verstimmt:

„Nun gut, du hast recht, und ich lüge.... Du hast ja immer recht, natürlich.... Ist es so weit gekommen, daß du mir nicht mehr glaubst? Vielleicht schenkst du Frau Krichelmann, meiner Wirtin, mehr Glauben, als mir! Ihre Nichte ist in einem Putzgeschäft Verkäuferin und hat mir diese alte, vorjährige Hutfasson wieder aufgeputzt! Gehe doch hin und frage sie! Sie ist ja viel glaubwürdiger, als ich... O, du bist schlecht, Eberhard! Du verdächtigst mich wegen meines armseligen Hutes... Als wenn du mir Hüte kauftest! Liane hat seit Anfang des Winters schon mindestens acht Hüte bekommen... O, du bist geizig und schlecht! Du behauptest mich zu lieben und kaufst mir keine Hüte... O Gott, wie bin ich unglücklich!...“

Sie hatte sich so in Eifer hineingeredet, daß ihr nun wirklich einige Zornestränen in den Augen blinkten. Hastig wischte sie die Tropfen mit dem Tüchlein fort und fuhr mit der Puderquaste über Augenlider und Wangen. Eberhard aber, obwohl noch immer zweifelnd, war besiegt. Er fühlte sich im Unrecht und sagte gequält:

„Du weißt doch, Fritzi, ich konnte dir nichts kaufen in dieser Zeit... Wie gern hätte ich dir alles gegeben, wenn ich’s gehabt hätte! Aber du, du hast dich ja mit der Garderobe vom vorigen Winter behelfen können... Ich habe mich oft gewundert! Alles verstehst du so geschickt herzurichten, wie neu... Meine Fritzi sieht immer aus, wie nach der neuesten Mode gekleidet... Warte nur noch ein Weilchen, geliebtes Kind, so sollst du wieder alles haben!“

Das junge Weib lachte triumphierend. Wieder einmal war es ihr geglückt, seine Zweifel zu zerstreuen und den schönen, starken Menschen zu beruhigen! O, sie fand ihn so hübsch, so kräftig, so männlich, und dachte gar nicht daran, auf ihn zu verzichten! — Sie lief an den Tisch, steckte rasch das Fünfmarkstück, welches er für ihre Handschuhe gegeben hatte, in das silberne Kettentäschchen und hüpfte dann auf Eberhard zu, stellte sich auf die Fußspitzen und sah ihm lachend in die Augen:

„Nun, wollen wir uns zanken oder vertragen?“