„Pardon. O —, pardon. Ich bin ein schlechter Gesellschafter. Und dann, verzeihen Sie — ich kannte Sie ja eigentlich nicht, obwohl ich schon sieben Monate bei Ihnen wohne. Ich — hatte — Sie mir — ganz anders vorgestellt.“
Nun lachte Therese hell:
„Wie denn?“
„Sie werden mir auch sicherlich nicht zürnen? Nein? — Ich hatte Sie für emanzipiert gehalten.“
Sie bog den Kopf zur Seite, nach dem dunklen Fenster hin. Der junge Mann, der sie unverwandt beobachtete, sah einen leichten Schatten über ihre Stirn und ihre klaren Augen fliegen. Aber er wußte nicht, ob eine Verstimmung ihr die Augen verdunkelte und ihre weiße Stirne faltete, oder ob nur der Kerzenschein flackernd über ihr Gesicht hingehüpft war. Dann erwiderte sie gelassen:
„Nein! Emanzipiert bin ich nicht. Ich lasse mir keine Rechte schenken... Ich habe sie, oder ich habe sie nicht .... Ich bin gesund, ich bin stark, ich kann arbeiten: das genügt mir... Das ist mir alles...“
Es war ein kurzes Schweigen zwischen den jungen Leuten. Eberhard drehte gedankenlos an dem Leuchter, so daß die Flamme unruhig an dem Dochte auf und nieder sprang. Therese fuhr fort:
„Aber Sie sind noch immer im Dunkeln; ich hole die Lampe!“
Sie lief hinaus und kam sehr schnell mit der brennenden Lampe in der Hand zurück. Nun schien das Licht durch die Glocke aus weißem Milchglas hell in alle Ecken. Therese zog geschäftig den Fenstervorhang zu; dann zögerte sie, faßte aber plötzlich einen Entschluß und sagte:
„Morgen also wird man Sie auf der Bühne sehen können?“