Er sah sie an, ungewiß, wie sie es meinte, und fing an zu spotten:
„Sagen Sie lieber gleich: bewundern, Fräulein Ambrosius!“
„Auch bewundern, gewiß,“ erwiderte sie freundlich. „Ich hätte Sie in der Tat gern gesehen...“
„O, wenn es das ist —!“ antwortete der junge Mann, „ich gebe Ihnen Karten... Wenn es Ihnen Spaß macht, Ringkämpfe zu sehen...“
Er zog die Brieftasche und nahm zwei Karten heraus. Die Theaterbilletts steckten neben Photographien. Er zog auch diese Photographien aus dem Fache, betrachtete sie einen Augenblick und legte sie dann auf den Tisch vor Fräulein Therese.
„Ach!“ sagte Therese fröhlich, „das sind Sie... Das sind Sie... O, hübsch, Herr Freidank!“
Mit naivem Vergnügen sah sie die beiden Bilder an, ohne ihr Interesse zu verhehlen. Sie stellten beide Eberhard im Sportanzuge dar. Im engen, dunklen Trikot mit bloßem Hals und nackten, gekreuzten Armen stand er gegen einen dunklen Hintergrund, von dem der kraftvolle Körper sich stark und plastisch abhob. Therese schaute auf die Photographien, dann auf den jungen Mann. Es war ein Zufall, daß Eberhard auch jetzt gerade mit verschränkten Armen dastand, genau wie auf einem der Bilder. Das weiße Lampenlicht fiel voll auf sein ruhiges, kluges Gesicht und seine schöne, hohe Gestalt. Die Blicke der jungen Leute begegneten sich, und voll Überraschung sah Eberhard über die ausdruckvollen Züge des Fräuleins ein Spiel lebhafter Empfindungen gehen, und dann ein starkes Erröten... Unfähig, ihren Eindruck zu verbergen, sagte sie mit einiger Heftigkeit:
„Ach, wie schade... wie schade...“
„Was ist schade, Fräulein Ambrosius?“ fragte er, während seine Brauen sich zusammenzogen.
Sie bereute ihren Ausruf, stockte und wollte ihn zurückziehen, aber es war zu spät; nun war sie ihm eine Antwort schuldig.