Das fremde, junge Mädchen hatte eine Wunde in ihm berührt, die er sich selbst noch nicht einmal eingestanden hatte. Wer war sie, daß sie gedankenlos den Schleier von seinen tiefsten, unausgesprochensten Heimlichkeiten ziehen durfte? Und heftig wiederholte er seine Frage:

„Um was ist es schade? — Um mich vielleicht?“

Es war zu spät; sie konnte nicht mehr zurück...

„Um Sie!“ sagte sie mit einem entschlossenen Blick in seine zornigen Augen, „jawohl, um Sie!“

„Ach, sehr freundlich!“ antwortete Eberhard, dessen Gesicht den Zornesausdruck verlor, verdrießlich und höhnisch. „Warum denn schade? — Vor einer Minute fanden Sie das Bild hübsch... Ich bin nicht eitel genug, dieses Lob anzunehmen; aber warum die plötzliche Sinnesänderung?“

Da sagte Therese Ambrosius schnell:

„Ich kenne Sie ja nicht... Ich kenne Sie ja gar nicht näher... Und meine Meinung ist Ihnen auch ganz gleichgültig ... Aber mir scheint, es ist schade, daß Sie in Zukunft nichts tun wollen, als sich anschauen lassen... Von fremden, neugierigen Leuten... Daß Sie alle anderen Zukunftspläne so ohne Bedauern über Bord geworfen haben .... Das finde ich traurig...“

„Finden Sie? —“ fragte er, immer noch spöttisch. „Nun, wenn Sie meinen, daß ich mich einfach ausstellen lasse, wie eine Bestie im Käfig... Und der Sport, Fräulein Ambrosius? Den Sport rechnen Sie für gar nichts?“

Therese sah ihn unsicher an und sagte:

„Es war unrecht von mir, etwas zu sagen, da ich doch wohl nicht ausdrücken kann, was ich meine... Ich zähle den Sport schon mit! Ich habe ehrliche Freude an der Kraft und am Sport! — Nur, wenn die Kraft allein das Ziel des Lebens sein soll, das finde ich traurig... Ich hielt den Sport immer nur für ein Mittel zum Zweck... Zu dem Zwecke nämlich, gesund und arbeitsfreudig zu bleiben oder zu werden...“