Blaß und schweigsam saßen die Frauen da. Sie wagten nicht, ihren Gatten, ihren Bräutigamen, ihren Vätern, ihren Brüdern, die sie ins Theater geführt hatten, ins Angesicht zu sehen, aus Furcht, ihre Ungeduld zu verraten, die grausame, schmerzhafte Erwartung, die ihre Nerven auf die Folter spannte. Auf mancher Mädchenstirn perlten Schweißtropfen, bleiche Lippen wurden nervös zernagt und hungerige Blicke irrten immer wieder von der Bühne auf knisternde Programme, dahin, wo die stolzen Namen der vierundzwanzig Ringkämpfer verzeichnet standen. Und mit wollüstigem Grauen studierten die Frauen und Mädchen die Kampfregeln, deren technische Ausdrücke so unverständlich und doch süß brutal klangen....
Wie mit bleibeschwerten Flügeln zogen die Minuten der Erwartung über den menschengefüllten Saal hin. Als endlich das letzte Wort der Komödie gesprochen war, brach ein jubelnder, exzentrischer Beifall los, ein hysterisches Toben und Händeklatschen... O — es war zu Ende, o... die Ringkämpfer.... Könnte man die Minuten peitschen!
Noch eine Pause...
Aber als man sich nun auf die Plätze zurückbegab, gingen die Mädchen und die Frauen wie mit federnden Schritten; auf ihren Stirnen thronte die heitere Weihe naher Seligkeit, ihre Lippen, in welche die Farbe zurückgekehrt war, waren im Lächeln geöffnet, aus ihren Augen leuchteten Sterne der Liebe... Ja, nun war die Zeit gekommen!
Aus dem Orchester sprang mit aufreizenden, feurigen Trompetenklängen der Ringkämpfermarsch, der überall gespielt wurde, wo Hermann Thyssen, der Matador, im Trikot zum Kampfe trat, und dann schwebte langsam der Vorhang empor.
Im Halbkreis standen sie da, die Vierundzwanzig, die Erwählten, die Halbgötter, die Starken!
Die Musik schwieg; — ohne Ende hätte man schwelgen mögen im Anblick der riesigen, kraftvollen Gestalten, die so ruhig und massig nebeneinander auf der Bühne standen, die starken Arme auf den Rücken gelegt, die breite Brust mit der Schärpe in den Landesfarben eines jeden geschmückt. Ihre Gesichter blickten ernst und unbewegt, wie Gladiatoren. Nur wenige suchten mit den Augen irgend jemanden im Zuschauerraume, und unter denen, die ein vertrautes Antlitz suchten, war Freidank. Wen suchte er, wen? — Therese erbleichte, Therese schlug zitternd die Augen nieder, — aber Eberhard hatte nicht Therese gesucht, sondern Fritzi...
Fritzi, die vorn in der Loge saß, sprang entzückt auf, setzte sich sofort wieder nieder und wendete das pikante, gemalte Gesichtchen ihrem Begleiter zu:
„So sehen Sie doch nur! — Sieht er nicht famos aus?“
„Warum sollte er nicht,“ sagte der junge Mensch, der Budenringer Gustav, verdrießlich, bemüht, seinen Neid nicht zu zeigen. „Hat mehr Jlück wie Vastand jehabt... Er kann jenau so ville wie wa alle kenn’, nich mehr und nich weniga... Jott weeß, mit was for Zicken er sich an Thyssen ranjeschlängelt hat...“