„Kennst du das?“ fragte Sergej, „gibt es dort nette Pummels?“

„Das nicht,“ erwiderte Paul lächelnd, „mußt du gleich am ersten Abend wieder Mädels haben? — Aber ’n kleines Spielchen gibt es bei Jolly.“ —

Das war dem Russen auch recht, und sie gingen zusammen fort.

Aloys Binder wollte auch zu Jolly gehen; er verabredete sich mit Eberhard, daß man sich später dort treffen wollte. Manuel Gomez hatte sich mittlerweile unter schrecklichem Fluchen angekleidet. Er verstand Französisch und ließ sich ebenfalls die Adresse des Restaurants Jolly geben. Dann setzte er seine großkarrierte Schirmmütze auf den wilden, eckigen Lockenkopf und stampfte ohne Gruß hinaus.

Binder war endlich mit seiner Toilette fertig geworden. Er stand von seinem Koffer auf, reckte seine nervigen Arme aus und sagte mit einem tiefen Seufzer:

„Jetzt fängt mein Nachtdienst wieder an. Mein Drachen hat Ordre, vor dem Theater zu warten... Will mal sehen, vielleicht schicke ich sie direkt nach Hause... Ich kann Ihnen sagen, Roland, so’n Reisedrachen ist das schlimmste, was man sich auf den Hals laden kann!“

Eberhard wußte nicht, von wem der Athlet sprach, und fragte darum vorsichtig: „Wieso?“

„Wieso —?“ fragte Binder gedehnt, „das fragen Sie? Ein Frauenzimmer, das einem Tag und Nacht nicht vom Halse geht? Das einen wie ’n Schatten verfolgt? — Und nimmt man sich mal irgend ’n andern hübschen Balg mit nach Hause, ist gleich der Teufel los mit Heulen und Vorwürfen .... Na, mein Drachen ist ja kusch! Die hat’s ja endlich gelernt.... Die ist so zahm geworden... Wenn ich mir ’n andres nettes Ding zum Besuch mitbringe, zieht sie ihr Schuhe und Strümpfe aus, wenn ich’s verlange, und bringt uns morgens den Kaffee ans Bett!.... Ja, das hat aber genug Hiebe gekostet!“

Eberhard Freidank war entsetzt. Wie zynisch renommierte dieser häßliche, rohe Münchener mit seiner perversen Verworfenheit! Zum Überflusse zog er jetzt die Brieftasche und nahm eine Photographie heraus, die er mit den Worten: „Da sehen Sie meinen Drachen!“ vor Eberhard auf den Tisch warf. Trotz seines Widerwillens konnte Freidank nicht anders, als das Bild ansehen.

Es war das Porträt einer unbeschreiblich lieblichen Dame, die acht- oder neunundzwanzig Jahre alt sein mochte. Das zarte, vornehme Gesicht hatte einen kindlichen, rührenden Reiz, die schmale Aristokratennase und die großen, zugleich unschuldigen und sehnsüchtigen Augen waren auffällig schön. Unter diesem Bilde stand: In Ewigkeit. Celeste.