„Das sagen Sie!“ erwiderte Frau Krichelmann empört, „aber ich sage: ach ja! — Was denken Sie von mich und meinem Haus? Ich habe eine anständige Pension und keinen Taubenschlag! Und darum bleibt es dabei, Sie ziehen!“
„Nun seien Sie mal gemütlich, Olleken!“ sagte die Chansonette mit ihrem niedlichen Kinderlächeln, indem sie die spitzigen Mäusezähnchen zeigte. „Ich gehe ohnehin bald fort, wenn Eberhard nach auswärts ins Engagement geht!... Aber bis dahin nicht! Ich habe Sie grade fragen wollen, ob Sie mir nicht lieber das Vorderzimmer vermieten wollen. Das ist ja leer geworden. Ich habe heute grade Zeit, meine Sachen umzuräumen!“
„Die Stube mit dem Flureingang?“ fragte die Hausfrau milder, „ja, die kostet aber sechszig Mark ins Monat! Das wird Herr Freidank wohl nicht bezahlen wollen!“
„Bisher kostete die Stube fünfzig Mark,“ konstatierte Fritzi, „aber es ist mir einerlei, ich zahle auch sechszig... Nein, Freidank braucht das nicht zu wissen, sonst wird er am Ende neugierig, wozu ich einen eigenen Eingang brauche ... Na, seien Sie vernünftig, Olleken! Wer wird denn gleich am frühen Morgen ’n Krach machen?“
„Das ist also abgemacht,“ sagte die vorsichtige Hausfrau nun ganz besänftigt, „Sie nehmen von heute ab das Flurzimmer! Ist mir schon recht, wer über’n Flur geht, geht mich nichts an... Na, Sie verstehen mich, Fräulein Fritzichen! Von Krach ist nicht die Rede... Übrigens trinken Sie jetzt mal Kaffee, Kindchen! Warten Sie einen Augenblick, ich habe noch ’n Stückchen Napfkuchen von gestern; das hole ich Ihnen schnell!“
Sie war jetzt ganz Sorgfalt und mütterliche Fürsorge, brachte den Kuchen, goß Fritzi Kaffee ein, zog sich einen Stuhl ans Bett und während das junge Mädchen zu frühstücken begann, fragte Frau Krichelmann, den Oberkörper vorgebeugt, die Ellbogen auf die Knie gestüzt, vertraulich mit neugierigen Augen:
„Wer war denn nun der Herr von gestern Abend, Fräuleinchen?“
„Ach, Sie!“ sagte Fritzi mit ärgerlichem Lachen, indem sie den Kuchen in den Kaffee tauchte, „erst erzählen Sie mir was von Lebenswandel und so, und dann wollen Sie wieder alles wissen! —“
„Fritzichen!“ erwiderte die Wirtin, „mich kennen Sie doch! Ich nehme es doch einem hübschen, jungen Mädchen nicht übel, wenn sie sich amüsiert! Aber in meiner Wohnung .... Was nicht über meinen Korridor geht, sehe ich nicht! Davon weiß ich nichts! Sie wissen nicht, wie es mich freut, daß Sie das Zimmer zu sechszig genommen haben —! Na, nun erzählen Sie mal!“