„Na ja! — als er den herumwirbelte und auf die Matte schmiß, daß es ordentlich krachte, das war doch wirklich ’n Ding! — Mein Schwestersohn, aus dem Amateurklub „Jugendkraft“, sagte, das wäre ’n wunderbarer Armfallgriff mit Mühle gewesen! Das Herumwirbeln, bis einem schwindlig werden kann, nennen sie ’ne Mühle! — Und außerdem verdient er doch ordentlich —,“ sagte Frau Krichelmann und fuhr brutal fort: „Sonst, wenn es Ihnen nicht mehr paßt, lassen Sie ihn doch einfach laufen! Sie finden doch alle Tage ’n andern! Überhaupt, Fräulein Fritzi, ’n Ringkämpfer ... Nein, ich weiß nicht!“
Sie wiegte den Kopf mit dem graublonden Scheitel hin und her. Fritzi erwiderte:
„Grade das finde ich aber schön! Er hat doch zuerst durchaus nicht gewollt, aber ich habe ihm immer zugeredet! Nein, das ist zu hübsch, Athlet! Und so interessant! Und er verdient wirklich sehr schön! — Außerdem bin ich ihm doch auch gut,“ fügte sie hinzu.
Sie plauderten noch eine Weile. Die Chansonette erzählte, daß mehrere Ringer von der Konkurrenz ihr den Hof machten: Casimir Zabolotny, der dicke Pole, der Provençale Raymond Poing de Fer, schließlich Aloys Binder, der Münchener...
„Na, welcher ist es denn davon?“ erkundigte sich die Hausfrau, welche die Athleten schon mehrmals im Theater gesehen hatte, teilnehmend, „der Pole? nein? Also der stramme Franzose! Auch nicht? — Was, grade den frechen Bayer mit dem spitzen Kinn mögen Sie leiden? — Fräulein Fritzi, der könnte mir nicht gefallen! An dem werden Sie nicht viel Gutes erleben! Die Augen von dem Kerl... Nein, der hat keinen guten Blick! Da guckt der Herr Freidank aber ganz anders!“ —
„Da haben Sie recht,“ sagte die Chansonette und fügte leichtfertig hinzu: „Gott, ich habe ihn ja auch am allerliebsten —! Aber es ist doch nichts dabei, wenn man sich auch mal mit ’nem andern amüsiert! Zu gern, Frau Krichelmann, zu gern ginge ich mal zu Justav’n auf den Rummel! Da ringt er nämlich.“
„Wann ist das immer?“ fragte die Alte.
„Heute, am Sonntag, den ganzen Nachmittag,“ sagte Fritzi, „und an einigen andern Tagen des Abends. Glauben Sie, daß Freidank mit mir hingehen würde? Bewahre! Ich habe ihn gebeten, aber er hat es mir einfach abgeschlagen.“
„Da hat er ganz Recht,“ erwiderte die Hausfrau phlegmatisch, „aber Sie haben ebenso recht, wenn Sie einfach allein hingehen! Heut ist ja Sonntag, warum tun Sie es nicht, Fritzichen? Falls Herr Freidank kommen sollte, werde ich ihm sagen, daß Sie mit Fräulein Liane ausgegangen sind!“ —