Fritzi warf den Muff aufs Bett, die Handschuhe auf den Tisch, stellte sich auf den Zehenspitzen hoch, gab Eberhard mit gespitztem Mäulchen einen Kuß und fragte gleich, ob er nichts zu naschen für sie hätte. Ja, er hatte Konfekt für sie gekauft; sie sollte suchen! Sie stürzte sich auf ganz unmögliche Verstecke, zog den Kasten des Waschtisches auf, kramte in seiner Kragenschachtel und riß sogar das Stiefelschränkchen auf. „Aber Fritzi!“ sagte er, von ihrer Unvernunft entzückt, „welcher Mensch auf der ganzen Welt würde Konfekt an solche Orte stecken?“ Dann holte er aus der Manteltasche die kleine Schachtel, und Fritzi grub ihre niedlichen Zähne mit kindlicher Gier in die braune Schokolade ein.

„Gut, daß du kommst,“ sagte Eberhard, „wir hatten nichts für diesen Nachmittag verabredet.“

„Ich kam nur, um dir zu sagen, daß ich heute zu Liane Fanchon zum Kaffeeklatsch gehe! Sie hat den Geburtstag, mußt du wissen.“

Eberhard wollte ihr die Absicht ausreden. „Ich liebe nun Fräulein Fanchon durchaus nicht,“ sagte er.

„Um so besser, mein süßer Bär, sonst müßte ich eifersüchtig sein! Aber ich habe es so bestimmt versprochen,“ plauderte sie. „Es sind noch mehrere Kolleginnen aus der Variétéschule da, und kein einziger Herr! — Und du gibst mir auch Geld zu einem Geburtstagsgeschenk, bitte! bitte!“ bettelte sie in einem plötzlichen Anfall von Habgier.

Freidank seufzte. Er wußte, er würde ihr wieder einmal nachgeben. „Aber du wirst wenigstens mit mir zusammen speisen?“ fragte er verdrießlich. „Gewiß!“ sagte Fritzi. „Zieh nur gleich deinen Mantel an und komme mit! Du weißt, ich muß vorher noch ein Geschenk für Liane kaufen. Gib mir schnell Geld!“ Sie überlegte blitzschnell, daß sie einen eleganten Toilettegegenstand kaufen würde, den sie selber brauchen konnte...

„Ja, du mußt vorausgehen, Fritzi,“ sagte Freidank. „Tönnies ist bei mir und ist eben nur im Zimmer drinnen bei Frau Ambrosius. Er wird wohl bald wiederkommen, aber vielleicht machst du inzwischen deinen Einkauf. Ich kann dir doch nicht kaufen helfen, weil ich nichts davon verstehe!“ — Sie ging mit einem Kusse.

Adolf Tönnies kehrte zurück und sagte, daß Frau Ambrosius die beiden Freunde, Freidank und Tönnies, auf den Nachmittag zum Kaffee eingeladen habe. Eberhard kam diese Aufforderung sehr gelegen, da seine Freundin zu Fräulein Liane gehen wollte, und er sagte gerne zu. Dann gingen die beiden jungen Männer miteinander fort. Fritzi erwartete Eberhard auf der Straße, sie gingen zum Diner und Adolf schloß sich ihnen an.

Fritzi hatte während des Mittagsmahles kleine Gewissensbisse. Sollte sie doch nicht zu dem Budenringer gehen? Sie überlegte noch, als Eberhard erzählte, daß er mit Adolf bei Frau Ambrosius den Kaffee nehmen würde. Da schwanden Fritzis letzte Bedenken. Um so besser, dort war er gut aufgehoben! Nun war eine Entdeckung ausgeschlossen! —