Es war für die Athleten Zeit geworden, sich zur Vorstellung in die Stadt zu begeben. Sie fuhren im geschlossenen Wagen, eng aneinandergedrängt. Schwül hing die Glut der Sinnlichkeit zwischen dem Athleten und dem jungen, lebensgierigen Weibe. Fritzi saß auf Binders Schoß. Er hatte ihr den Kopf mit dem zierlichen Pelzbarett weit hintenübergebeugt und drückte wilde Küsse auf ihren schmachtend geöffneten Mund. Fritzi hatte eine seltsame Empfindung, als ob sie in ein weiches, lauwarmes Meer hinabgleite. Immer tiefer, immer tiefer.... Jetzt gab es schon gar keinen Widerstand mehr...
Roditscheff pfiff leise die melancholische Melodie eines russischen Volksliedes durch die Zähne. Er hatte den Kopf von dem Paare abgewendet und betrachtete beim wechselnden Scheine der am Wagenfenster vorüberfliegenden Straßenlaternen nachdenklich das verräterische photographische Momentbild.
VIII.
Der akademische Verein Gryphius feierte Weihnachten. Es fehlten zwar noch drei Tage bis zum Feste, aber die jungen Herzen waren schon längst in der fröhlichsten Weihnachtsstimmung. Am nächsten Morgen wollten dann mehrere der Mitglieder in die Heimat reisen.
Tönnies kam nachmittags zu Eberhard und hätte ihn am liebsten gleich mitgenommen.
„Sonst schwänzest du womöglich die Weihnachtskneipe,“ sagte er und sah seinen Freund forschend an.
„Das traust du mir hoffentlich nicht zu,“ lächelte Eberhard. Er mußte sich abwenden, um die aufsteigende Röte zu verbergen. Der gutmütige, heitere Adolf aber, der Eberhard als weit überlegen empfand, hatte schon wieder das Gefühl, etwas gutmachen zu müssen:
„Du wirst mir das doch nicht übelnehmen, Eberhard! — Aber leider fehlst du jetzt so oft... Läßt die Kleine dich gar nicht von ihrer Seite?“