Hatte Eberhard recht gehört? Lag ein Unterton des Hohnes in Binders Worten oder witterte nur seine Abneigung gegen den Münchener Böses?

„Pardon — —,“ sagte er hart. „Ich möchte nicht... Sie verstehen...“

„Ach, Sie sind eifersüchtig!“ erwiderte der Münchener unvermittelt mit einem frechen Aufblick.

„O nein! Ich habe keine Ursache dazu!“ entgegnete Eberhard bestimmt und ging wieder hinaus. Im Artistenfoyer, einem langen, breiten Korridor, blieb er noch einmal lauschend stehen: war nicht ein höhnisches Lachen hinter ihm hergeklungen? Aber alles blieb still. Nur die Soubrette, Fräulein Coeur de Rose, strich wie eine verliebte Katze im Foyer herum. Sie war schon zur Vorstellung angekleidet und hatte ihren dekolletierten Busen mit einem durchsichtigen Schleiergewebe bedeckt, um den ärgsten Anschein der Koketterie zu vermeiden. Er wendete sich brüsk von dem geschminkten Weibe ab und ging durch das ganze Haus hindurch in das Theaterrestaurant.

Unwillkürlich suchten seine Blicke beim Eintritt Fräulein Leonie Krömer. Doch die schöne Brünette thronte nicht auf dem gewohnten Platz. Sie hatte endlich kapituliert und saß neben Sergej Roditscheff an einem der kleinen Tischchen von gelblichem Marmor. Das Bild prägte sich fest in Freidanks Gedächtnis ein: Leonie war verwirrt, rot und schön in ihrer Leidenschaft und ihrem Schuldbewußtsein. Roditscheff hatte sich ihrer Hand bemächtigt und spielte mit den Ringen an ihren schlanken Fingern. Er war blaß, lächelnd, ruhig und siegesbewußt, wie immer... Nur ein sehr geübtes Auge hätte ihm den letzten Zweifel an seinem Siege über diese Spröde vom Gesicht ablesen können. Denn Leonie schwankte noch, während Roditscheff sie zuversichtlich fragte:

„Gleich nach der Vorstellung kann ich dich abholen, Lona?“

„Um Gotteswillen, nein!“ erwiderte Leonie hastig flüsternd, „mein Schwager... und überhaupt...“

„Um zwei Uhr wird das Restaurant geschlossen,“ sagte Sergej, „also um zwei Uhr, Lona, um zwei Uhr, Lona...“

Unter seinen hellen, hypnotisierenden Blicken senkte Leonie Krömer den schwarzen Kopf....

Eberhard verbarg sich hinter der größten Zeitung, die er finden konnte. —