Von einem Tisch, an dem ziemlich viele lebhaft redende Männer saßen, löste sich jetzt ein Mann und begann ein Gespräch mit Freidank. Er war ein Buchmacher namens Goldschmidt, der mit großer Geschicklichkeit das Gespräch auf den Revanchekampf des heutigen Abends zu lenken wußte. Er redete in einem seltsamen Fachjargon, der aus jüdischen und sportlichen Redensarten bestand, allerlei krausen Unsinn, welcher schließlich in der vorsichtig umschriebenen Frage gipfelte, ob Roland oder Binder bei dem Ringkampfe Sieger bleiben würde?

„Zum Teufel, kann ich das wissen?“ fragte Freidank über die Zeitung hinweg.

„O, Herr Roland — —! — sagen Sie mir nicht so was! — Ich bin nicht einer von ’s dumme Publikum... Ich wollte Ihnen vorschlagen ein gutes Geschäft, ein sicheres Geschäft ....“

Eberhard legte die Zeitung hin:

„Ich bitte, Herr Goldschmidt, sagen Sie klipp und klar, was Sie von mir wollen!“

Er wollte.... nun, Herr Roland sollte es nicht übel nehmen... Gegen seine Ehre ginge es ja nicht, — und außerhalb der Konkurrenz... und ein glattes Geschäft wäre es...

Und als Freidank gelangweilt die Stirne furchte, erklärte er ihm das beabsichtigte Geschäft. Von den Wettenden — und es wurden sehr hohe Wetten heute abend abgeschlossen — hielten die meisten auf Roland, obwohl er schon von Binder besiegt worden war. Es waren Gerüchte von „Schiebungen“ durchgesickert, die das Publikum lebhaft erregt hatten. Den heutigen „Revanchekampf“ hielten die Leute aber für echt. Hohe Summen waren auf den Sieg Rolands gesetzt worden, die im Falle von Rolands Niederlage dem Buchmacher zufielen. Mit der Kunst der Überredung und mit der Zusicherung eines hohen Gewinnanteils suchte Herr Goldschmidt Eberhard nun zu bewegen, Aloys Binder den Sieg zu lassen. —

Eberhard mußte über die Unverfrorenheit lachen, mit welcher der Buchmacher ihm dieses Geschäft anbot. Aber Goldschmidt verlor keine Zeit; er zog schnell einen Hundertmarkschein aus der Tasche, den er unauffällig in Eberhards Rocktasche beförderte.

„Schön! Herr Roland!“ sagte er dabei mit vergnügtem Lächeln, „wir sind einig, nicht wahr? Das ist die Anzahlung ... Den Rest zahle ich Ihnen nach der Vorstellung ... Es bleibt dabei... Ein gutes Geschäft für Sie, ein ausgezeichnetes Geschäft!“

Strahlend vor Vergnügen kehrte er zu seiner Gesellschaft zurück und versicherte seinen Wettlustigen, daß sie unbedingt gewinnen würden, denn Roland würde natürlich Sieger!