Wieder einmal waren beide blitzschnell vom Boden aufgesprungen und standen sich gegenüber; da packte Binder Freidanks rechten Daumen mit der Linken und schlug ihm mit der Rechten gegen den Ellenbogen. Freidank aber hatte die tückische Absicht gemerkt, sprang wie ein Löwe herum und riß den Bayer zu Boden. Er hielt ihn fest und flüsterte ihm zähneknirschend zu:

„Was fällt dir ein? Willst du disqualifiziert werden?“

„Nein!“ flüsterte Binder frech zurück, „aber heute geht’s im Ernst.... Um die kleine Katze, die Fritzi....“

Eine Sekunde lang sah Freidank alles rot, dann faßte er sich:

„Also um Tod oder Leben.... um dein oder mein Leben....“ „Immer tragisch!“ höhnte der Münchener, der unter Eberhard lag, ein wenig keuchend. „Ums Leben ja gerade nicht, aber meinethalben um die Fritzi... die Fritzi ist mir ja doch sicher...“

Eberhard hörte nichts mehr. In Berserkerwut stürzte er sich über den Gegner. Das, was ihn ergriffen hatte, war nicht mehr bloße Kampflust. Es war Mordlust...

Und mit dieser Mordgier in dem fiebernden Blute stand er vor Hunderten von Zuschauern und war gezwungen, den Kampf nach seinen Regeln, mit allen Finessen, die das Publikum entzücken, zu Ende zu führen...

Die Zuschauer waren von jenem leidenschaftlichen Taumel ergriffen, der sich seit Jahrtausenden gewaltigen Menschenmassen mitteilt, sobald zwei feindliche Kräfte sich vor ihren Augen messen. Genau so verfolgten einst die Griechen die Kämpfe ihrer Ringer im Stadion, so und nicht anders saß das alte Rom rund um die Arena und blickte gebannt und gespannt, mit fieberndem Parteinehmen und grausamer, zitternder Lust, auf Siegen oder Unterliegen.

Die ersten drei Gänge, jeder zehn Minuten lang, waren längst vorüber. Jetzt ging es weiter ohne Pause, bis einer von beiden am Ende seiner Kräfte war. Das pfeifende Keuchen harter Atemzüge rang sich mühsam von den Lippen der Ringer; es kam aus den schwer arbeitenden Tiefen ihrer Brust, es erfüllte mit leisem, aber deutlichem, aufreizendem Geräusch das ganze Theater. Keine Wollust ist so groß, als die Wollust des Zuschauers beim mörderischen Kampfe..

Eberhard spannte seine letzten Kräfte an, und Binder ließ alle Rücksichten fallen. Er stieß und schlug, wo die Gelegenheit sich bot, sinnlos auf seinen Gegner ein. Bereits war er zweimal verwarnt worden, versuchte aber zum drittenmal, Roland mit einem rohen Halsgriffe die Luft abzuschneiden. Er stand tiefgebeugt, den Rücken gebogen, den Kopf gesenkt, heimtückisch, wie ein Raubtier vor dem Sprunge. Da, als er sich noch tiefer duckte, griff Eberhard zu, langte mit den starken, weißen Armen über Binders Kopf hinweg, umschlang den Feind an den Hüften und hob ihn rücklings auf. Binder, der kopfüber in der Luft hing, merkte, daß er verloren war. In den Armen des Starken zappelnd, blickte er Freidank haßerfüllt an und flüsterte mit erlöschender Kraft: