„Die Fritzi ist mir doch sicher...“
Eberhard hob ihn noch höher und schleuderte ihn von bedeutender Höhe herab mit brutaler Wucht auf den Boden.
Er vernahm nicht mehr das ausbrechende Beifallsgeheul der leidenschaftlichen Menge, die seinem Siege zujubelte, er wollte in die Garderobe stürzen. Markus lief ihm nach, zerrte ihn am Trikot auf die Bühne, stieß ihn hinaus; er mußte sich verbeugen, zweimal, dreimal, während das wilde Rauschen des Beifalls ihn umtobte, wie ein Meer im Sturme.
Seit dem Augenblicke, wo sie sich als Abschiedsgruß auf der Bühne die Hände gereicht hatten, kümmerte sich keiner der Kämpfer mehr um den andern. In der Garderobe halfen Kameraden den zu Tode Erschöpften aus den Trikots und rieben ihnen die zuckenden Glieder mit Branntwein ein. Dann lagen sie beide blaß, mit geschlossenen Augen, auf harten Matratzen und kehrten langsam zum normalen Atmen zurück. Ihre Lungen waren bis zum letzten Atemzuge ausgepumpt. Sie hatten nahezu zwei Stunden gerungen.
Thyssen erschien unter der offenen Türe, beide Hände in den Taschen, und blickte schweigend die ermatteten Ringer an. Sein heller, scharfer Geist hatte in dem grauenvollen Kampf des Abends eine Tragödie gespürt, für die es vorher nicht einmal die leiseste Andeutung gegeben hatte. Er ließ seine dunklen, zwingenden Augen auf Eberhard ruhen und fragte:
„Warum habt Ihr nicht aufgehört, als Markus euch das Zeichen gab? Was habt ihr miteinander vor?“
Eberhard richtete sich halb auf. Das Unausgesprochene, es sollte niemals ausgesprochen werden, Fritzis Name sollte unversehrt bleiben, die Tragödie sollte in Schweigen erstickt werden. Vielleicht war sie zurückzuhalten... vielleicht war die rollende Lawine in ihrem Laufe zu hemmen....
Er blickte Binder, der möglicherweise eine hämische Bemerkung auf den Lippen hatte, stahlhart an und erwiderte, ohne die Augen von seinem besiegten Gegner zu lassen:
„Sie irren sich, Herr Thyssen. Es ist nichts.“