„Dann ist es gut,“ sagte der Weltmeister langsam...
Eberhard stand auf. Seine Glieder schmerzten, seine Gelenke brannten. Nur schlafen — schlafen! Aber er mußte ja auf die Weihnachtskneipe....
Im Vestibül, welches Eberhard durchschreiten mußte, wartete Herr Goldschmidt, der Buchmacher. Als er den Ringkämpfer kommen sah, sprang er mit rotem Kopf auf ihn los und fauchte ihn zornig an:
„Was haben Sie gemacht? War das nach unserer Verabredung gehandelt? Was stellen Sie sich vor unter einem Geschäft? Und meine Anzahlung?“
„Verabredung! Geschäft! Anzahlung!“ sagte Freidank erbittert, „was wollen Sie eigentlich von mir, Sie....? Sie....?“
„Sie behaupten, daß Sie das nicht mehr wissen?“ zischte der Buchmacher, „Sie leugnen, daß ich Ihnen hundert Mark auf Ihre Niederlage angezahlt habe? Das leugnen Sie, Herr....?“
„Reden Sie keinen Blödsinn!“ sprach Eberhard zornmütig von oben herab, „ich habe den Kerl geschmissen... Der Kerl hat es nicht besser verdient... Lassen Sie mich in Ruhe! Ein anständiger Mensch bietet nicht solche Geschäfte an... Ihre sogenannte Anzahlung, Herr... Goldschmidt,“ Eberhard lachte den bebenden Hebräer hochmütig und höhnisch an, „um Ihre Anzahlung wiederzubekommen, dürfen Sie mich verklagen... Ich schmeiße, wen ich will, und nicht, wen Sie wollen!“
Er ging mit schweren Schritten an dem Buchmacher, der ihm in ohnmächtiger Wut nachblickte, vorüber und trank am Büfett des Theaterrestaurants hastig mehrere Gläser Kognak aus, welche seiner Gedanken Qual so weit zerstreuten, daß er Binders Reden über Fritzi vergaß. Das Kind lag längst zu Hause im Schlafe, das war gewiß. Er hatte Fritzis Hausschlüssel in der Tasche. Aber warum die Geliebte im Schlafe stören? Besser, auf die Kneipe zu gehen....
Die Nacht war mild und dunkel. Warme Lüfte strichen über den Schnee hin und von den Dächern rieselten dünne Bächlein. Eberhards Schritte knirschten leise in dem tauenden Schnee, als er in die Linienstraße einbog, wo die Kneipe des Vereins Gryphius im ersten Stock eines Hinterhauses lag. Im zweiten Stock desselben Gebäudes hauste die „Munichia“, deren Angehörige den Gryphianern nicht besonders freundlich gesinnt waren. Man hielt offizielle Freundschaft, während man einander insgeheim nachspürte, um eine Veranlassung zum Abbrechen der freundschaftlichen Beziehungen zu finden.
Eberhard kam spät, aber die Freunde hatten fest auf sein Erscheinen gezählt. Der kleine, lustige Tönnies sprang sofort auf, drückte Eberhard herzlich beide Hände und zog ihn auf den Platz neben sich, den ein Fuchs alsbald räumen mußte. Es war kurz vor Beginn der Fidelitas. Frohe Gemeinsamkeit strahlte allen diesen jungen, enthusiastischen jungen Männern aus den Augen, gemeinschaftliche Interessen, gemeinschaftliche Hoffnungen zogen ihren Zauberring um den Jünglingskreis. Eberhard beantwortete heiter ein paar Fragen, tat den Freunden mit dem kühlen, schäumenden Bier Bescheid und lehnte sich dann, das Kneipcerevis auf dem Kopfe, behaglich hintenüber mit dem vollen Frohgefühl: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein! —