„Sie aber wissen allein, Herr Thyssen, auf welche Teilnehmer wir mit Sicherheit rechnen können? Ich muß die Namen vorher haben, wegen der Reklame...“

Thyssen war kein Freund vom vielen Reden. Er schob dem Direktor einige Bilder zu und sprach langsam und bedächtig:

„Bernhard Meinken aus Hamburg; Paul Kiesling aus Westfalen; vielleicht den Münchner Binder. — Raymond Poing de fer; Pierre le Forgeron, genannt Oeillet rouge, die rote Nelke; Champion von Paris! — Jan van Muyden; Ola Carstensen; Frank Argyll aus Texas; Manuel Gomez, el Toro de Granada; Giacomo Petrocchi und Vittorino Cardo, sein Bruder; Sergej Roditscheff aus Rußland; Jimmy Holyhead, ein Schwarzer; Mansur, the Lion of the Sudan, auch ’n Schwarzer; haben Sie?... William H. Lanfrey; Karl van dem Domhoff...“

„Kenn’ ich nicht,“ sagte Immermann dazwischen.

„Ob Sie ihn kennen oder nicht, ist doch ejal,“ sagte der Athlet gleichmütig in seinem wohllautenden niederrheinischen, etwas schleppenden Dialekte. „Hauptsache ist doch, daß ich ihn kenne. Kann Ihnen aber zu Ihrer Beruhigung sagen: seriöse Meisterschaft im Schwergewicht, 1904 in Lüttich. Jenüjend, allright? — Überhaupt, was soll Ihnen die Aufzählung? Ich versteh’ nicht, wozu Sie die heut’ brauchen. Das schreibt Ihnen Markus alles... Wichtiger ist mir: Ich brauche dann noch ’n paar Berliner, die ’n bischen hermachen. Müssen immer ’n paar Einheimische ’bei sein.... Die könnten Sie mir besorjen, Immermann. Da hätt’ ich ’n’ jroße Arbeit weniger...“

„Professionals?“ fragte Immermann.

„Ach nee!“ erwiderte der Athlet, ärgerlich, daß er Erklärungen geben mußte. „Die kann ich doch allein krieje, nicht? — Auch keine Klubleute. Wird mir sonst zu jroße Klubmeierei; ’n paar jute Amateure. Werden sich schon denken können, was ich brauche. Im Notfall ist einer jenug...“

Der Direktor behauptete, daß er nun genau wüßte, was Herr Thyssen wünschte, und er würde einen solchen jungen Mann besorgen. Inzwischen hatte der Manager Markus sämtliche Photographien eilfertig zusammengerafft und erinnerte Thyssen respektvoll, daß es hohe Zeit sei, wenn man den Hamburger Zug noch erreichen wollte. Darauf reichte Hermann Thyssen dem Theaterdirektor die große, starke Hand und verabschiedete sich, ohne viele Worte zu machen. Beim Hinausgehen streifte er Eberhard mit einem scharfen, prüfenden Blicke. Eberhard sah eine Sekunde lang in die stolzen, flammenden Augen, während ein warmes, eigentümlich wohltuendes Gefühl eigener junger Kraft und Gesundheit durch seinen Körper zog...

„Das sind Kerls!“ rief Immermann, der seinen berühmten Gast bis ans Tor begleitet hatte und nun aufgeregt zurückkehrte, in heller Begeisterung. „Donnerwetter, das sind Kerls! Dieser Thyssen! Dagegen kommt sich unsereins wie ’ne Mücke vor... Diese Tatzen, was? Damit eins kriegen, muß ’n Vergnügen sein, was? — — Aber womit kann ich Ihnen dienen, junger Freund?“