„Ich bringe Ihnen ein Stück,“ sagte Eberhard hoffnungsvoll, indem er das Manuskript hervorholte. „Ein Stück für Ihr Theater, extra für Sie geschrieben. Können Sie es nicht gleich lesen? Es würde Ihnen sicherlich gefallen... Das ist etwas für Ihr Publikum, glauben Sie mir! Vier kurze Akte...“
Eberhard brach ab, da der Theaterdirektor keine Miene machte, nach dem Hefte zu greifen, sondern es mit jovialem Lächeln ein wenig zurückschob. Er blickte Eberhard mit seinen freundlichen, hellen Augen an und sagte munter:
„Dichter sind Sie auch? — Wußte ich gar nicht. — Haben Sie nicht die kleine Fritzi aus dem ‚Goldsalon‘! Nicht wahr? Ja, wußte ich doch noch. Und die läßt Ihnen Zeit zum Dichten? Komisch. Solche lebenslustigen, kleinen Käfer lassen den jungen Herren gewöhnlich gar keine Zeit! Wohl eine feurige, kleine Kröte, was? Ja, ja, diese schwarzen Augen!“
Eberhard ärgerte sich. Er mochte keine Diskussion über das Temperament seiner Fritzi, hier, vor den Ohren des Schreibers. Er begann von neuem:
„Wollen Sie nicht mein Stück lesen? Es paßt wirklich großartig für Sie. Es heißt: „Das Kind der Straße“. Nun, gefällt Ihnen das? Das wird bei Ihnen ziehen, passen Sie auf!“
Immermann nahm das Manuskript, blätterte darin, lachte behaglich und sagte mit vergnügtem Schmunzeln:
„Ein richtiges Theaterstück, wahrhaftig! Hätte wirklich nicht gedacht, daß Sie auch dichten können. Ist sicherlich ein sehr hübsches Stück! Warum sollte es nicht hübsch sein? — Aber für mich? Nein, lieber Herr Freidank! Ich kann doch keine Stücke von den Herren Dichtern brauchen!“
„Aber Sie führen doch fortwährend neue Stücke auf!“ sagte Eberhard aufgeregt. „Die muß doch irgend jemand schreiben! Also warum sollten Sie nicht ein Schauspiel von mir bringen?“
„Ich beziehe doch meine Stücke fix und fertig von meinem Agenten,“ erwiderte Immermann freundlich beschwichtigend. „Gleich mit allen Regiebemerkungen, mit der notwendigen Musik — wie gesagt, die Mimen können gleich losspielen! — Jeden Gefallen tue ich Ihnen gern, junger Freund, aber ein Stück von Ihnen spielen? Es ist unmöglich, so gerne ich’s täte, es ist wahrhaftig unmöglich!“
Freidank geriet angesichts dieser lächelnden, jovialen Ablehnung in Verzweiflung. Er versuchte einen letzten Ansturm: