„Kein Stelldichein,“ sagte er, und seine Stimme klang rauh. „Ich suchte meine — Freundin... Fräulein Fritzi .... Sie ist nicht zu Hause....“
Freidank sah den Blick des Einverständnisses, den Kiesling und Roditscheff wechselten. Also sie wußten... wußten mehr, wie er selber wußte....
Kiesling war ein verschwiegener Mensch und konnte Skandalgeschichten nicht leiden. Aber in diesem Augenblicke hielt er es für eine natürliche Anstandspflicht, Freidank zu warnen:
„Hören Sie, Roland —! Meine Affaire ist es nicht.... Aber, wenn Sie klug sind, so ziehen Sie Ihre Hände zurück ..... Wir sprechen doch, nicht wahr, von Fräulein Fritzi l’Alouette, der Chansonette. Fräulein Fritzi l’Alouette ist heute abend beim Binder.“
Und er nickte ernsthaft mit dem Kopfe. —
Freidank ließ die Faust auf den Tisch fallen. Das Blut war aus seinen Lippen gewichen, seine Augen wurden starr:
„Das wissen Sie? — das ist sicher und wahrhaftig, und nicht nur eine von den vielen Klatschgeschichten aus der Garderobe, daß es der Binder mit meiner Fritzi hat?“ —
„.... Also zeig’s ihm, Sergej,“ sagte Kiesling.
Der Russe zog ein juchtenes Portefeuille und sah mit nachdenklichem Gesicht eine Anzahl Bilder durch. Einen Augenblick hielt er das Momentbild aus der Photographenbude vom Rummelplatze zwischen den Fingern und legte es dann schweigend vor Eberhard auf den Tisch.