Er sprang auf und riß Fritzi mit sich in die Höhe. Er hielt die Schale in zitternder Hand, er schwang sie über den Tisch und lachte brutal:
„Stoß’ an, Celeste, auf die Liebe! Und auf ein langes, lustiges Leben!“
„Auf ein langes, lustiges Leben!“ sprach ihm Celeste nach, setzte das Glas an die Lippen und trank. Und als sie ausgetrunken hatte, setzte sie das Glas zurück, so daß der schlanke Stiel zerbrach und der Trank über den Tisch hinfloß.
„Ungeschicktes Ding!“ rief Binder grob, aber Celeste hatte von dem Mißgeschick nichts bemerkt. Ihre Leidenschaft, ihre Verzweiflung brachen eine Minute lang durch die lächelnde Maske; sie riß Binders Kopf in ihre Hände und küßte ihn wütend und fassungslos zwischen die dunklen, starken Augenbrauen....
„Nein, heute nicht! heute nicht, Celeste!“ rief Aloys, „siehst du nicht diese kleine Katze hier, die schon müde wird? Meinst du, ich habe mir die Fritzi nur zum Soupieren mitgebracht? O nein... Sie wird müde... Das eine Glas Sekt, komisch! Aber ich werde auch schon müde... Merkwürdig, Celeste!.... Schenk’ uns ein, Celeste, schenk’ ein!“
Und die junge Frau mußte wieder und abermals die Schalen füllen. —
Aber ein Geier mit grauen Flügeln breitete seine weiten Schwingen über dem Zimmer aus, bis sich das Licht vor den Augen des zechenden Liebespaares verdunkelte. Wie? brannte das Glühlicht so trübe oder sanken den Verliebten die Lider immer wieder über die Augen? Wer wird so müde nach einigen Gläsern Champagner? Celeste trank doch auch! Aber ihre Augen wurden immer heller; ihre schwarzen Augen brannten, wie von einem inneren Licht verklärt. Sie lächelte noch immer, das Lächeln war um ihre Lippen geschmiedet ....
„Hol’s der Teufel, ich kann nicht länger wachen!“ rief Binder und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Der Halunke, der Roland, ist schuld daran. Anders kann ich mir’s nicht erklären! — Aber wir wollen es wettmachen, wir wollen es ausgleichen.... wir wollen in seinem Revier pürschen... Wie, meine kleine Katze! mein kleiner Hase! bist du auch so müde wie ich? — Celeste, kleide die Kleine aus!“
Celeste stand langsam auf. O, sie tat auch das noch. Viel war es ja nicht mehr....