Ein höherer Polizeibeamter trat ein, er brachte den kleinen Pendelschlag des Alltags in die große Tragödie. Er kam, um festzustellen, zu vernehmen....
Fritzi hatte eine Bettdecke um ihren schlanken Leib gezogen: sie zitterte vor Frost, blickte aus entsetzten Augen auf die fremden Menschen, konnte all das Grauen noch kaum fassen und schluchzte wie ein Kind. Sie schämte sich... vor Eberhard... vor den Beamten... vor den fremden Männern.... aber am allermeisten vor Eberhard ....
Madame Celeste allein saß ruhig mit untergeschlagenen Beinen auf dem geblümten Bettvorleger. Ihr Kleid floß weich und unzerzaust um ihre Gestalt. Die Haare hingen wie dünne Schlangen um ihre Schultern. In dem schmerzverwüsteten Gesicht lebten nur noch die Augen, die trauerten, daß ihnen ein großes Unrecht geschehen war.
Sie sprach auch nicht anders, als daß ihr Unrecht angetan war:
„Meinen Namen? Den wissen Sie ja. — Ob ich....? Ja. Ich habe ihn... ihn... Aloys Binder... erdrosselt. Ja. Warum? Was geht das Sie an? Es war nur Revanche ... Revanche.... Erst hat er mich erdrosselt.... dann habe ich ihn erdrosselt. Sie glauben das wieder nicht, weil ich mit Ihnen rede. Aber er hat mich erdrosselt, seit Jahren schon.... Mehr als das. Zertreten hat er mich, in Stücke gerissen... Was wollen Sie wissen? —.... Streit?... Wir haben keinen Streit gehabt, nein. Ich habe ihn mit seiner Geliebten zu Bett gebracht.... erst die Geliebte, dann ihn... und dann... habe ich ihn erwürgt, ja. — Ich? Reue?....“
Celeste lachte, ein schreckliches, klirrendes Lachen.
Sie hatte den Verstand verloren.
Dann waren sie alle fort. Man hatte Fritzi l’Alouette gestattet, sich anzukleiden und in ihre Wohnung zu gehen. Selbst schwankend, wie ein Trunkener, ergriff Eberhard Freidank Fritzis Arm und führte sie fort.
„Eberhard!“ begann sie schüchtern, indem sie sich wie ein Kätzchen an seinem Ärmel rieb, „Ebi... lasse dir erklären ...“
„Spare deine Erklärungen,“ sagte er langsam. „Dazu ist es zu spät. Ich bin dir nicht böse. Du bist eben eine Dirne... Du hast eben einen ganz erbärmlichen, jämmerlichen Charakter... Darüber ist nichts zu heulen, Fritzi! Ich nehm’ dich, wie du bist.... Es wäre dumm, dir aus deiner Niederträchtigkeit einen Vorwurf zu machen....“