„Der Binder ist aus der Konkurrenz heraus,“ fuhr Thyssen fort. „Schade um ihn! Er schlug eine meisterhafte Pirouette... Auch der Skandal um seine Ermordung war ja übel... Aber.... Was wollen Sie, dergleichen bringt das Geschäft so mit sich! Die kleine, schwarze Chansonette, der Sie wohl inzwischen den Laufpaß gegeben haben, war nicht daran schuld, wenn sie auch eine sehr verliebte kleine Krabbe ist... Nun, das sind alles Privatangelegenheiten! Das interessiert mich nicht! Hauptsache: Binder ist heraus. Er war als voraussichtlicher dritter Preisträger engagiert...“
Thyssen brach ab und spielte mit seinem Portefeuille. Er ordnete die Reichskassenscheine darin nach Farben und Jahrgängen. Dazwischen sagte er unvermittelt:
„Sollte man es glauben? — Ihre Freundin, die kleine Fritzi, behauptete neulich, noch keinen Tausendmarkschein zu kennen. Ein so hübsches Mädchen... keinen Tausendmarkschein ....“
Eberhard blickte abwartend vor sich hin auf das dunkelgraue, polierte Tischchen des Kaffeehauses. In drei und einer halben Woche unter den Ringkämpfern hatte er gelernt, sich nicht mehr aufzuregen, wenn seine Geliebte in die Unterhaltung gezogen wurde. Thyssen begann wieder:
„Ich Erster, nicht wahr. Meinken Zweiter. Binder Dritter. — Nun brauche ich doch einen andern Dritten, nicht wahr...“
Eberhard sah den Weltmeister an; das Blut schoß ihm ins Gesicht bis über die hohe Stirn, seine Augen strahlten:
„Und das sollt’ ich sein? Ich?“
„Warum denn nicht,“ sagte Thyssen. „Wer denn sonst?“
„O....,“ Eberhard errötete abermals vor Stolz und froher Überraschung, „Muyden..., Roditscheff..., Gomez..., Forgeron..., Petrocchi..., Kiesling...“
„Sie werden alle zweiundzwanzig aufzählen,“ sprach Thyssen ironisch. „Aber Sie sind neu... Sie wissen auch noch nicht recht Bescheid unter unsern Leuten. Darum werde ich Ihnen mal explizieren, warum die alle nicht in Betracht kommen. Muyden ist nie Dritter, verstehn Sie, nie... Entweder Erster oder gar nicht... Kurz, Muyden zieht sich heute abend, beim Ringen mit dem ohnehin unbeliebten Spanier, eine Muskelzerreißung zu, wird von der Bühne getragen und reist ab. — Gomez... der grobe Patron? Das Publikum würde ihn mit Bierseideln werfen... Forgeron, einen Franzosen? Ausgeschlossen. Wir sind doch Patrioten, nicht? — Petrocchi, Preisträger? Er hat ohnedies den Größenwahn, weil sein Hals 52 Zentimeter dick ist und geht mit dem Plane um, eine eigene Tournee zu begründen... Kiesling aber ist in meinen Augen ein Lump. Ich kann den Kerl nicht leiden. Und Roditscheff ist sein Freund, verstehen Sie. Ich kann die beiden Kerle nicht leiden...“