In der Garderobe gab es inzwischen eine peinliche Auseinandersetzung zwischen Kiesling und Thyssen. Kiesling verlangte seinen Schuldschein über die Spielschulden von Thyssen zurück. Thyssen behauptete, daß er den Schein nicht bei sich trage. Aber Kiesling blieb fest:
„Wenn du einen glatten Sieg haben willst, wie er dem ersten Preisträger zukommt, so rat’ ich dir, Hermann, schaffe den Schuldschein und vernichte ihn hier vor meinen Augen!“
„Findest du dein Verhalten fair?“ fragte der Champion erbost, „und meinst du übrigens, daß Roditscheff mir den Sieg sehr erschweren kann?“
„Fair oder unfair in deinen Augen ist mir einerlei!“ sagte Kiesling kühl, „und wenn du nicht glaubst, daß Roditscheff sich im Endkampfe mindestens zwei Stunden gegen dich behaupten kann, so riskier’ es doch. Riskier’ es doch!“ wiederholte er mit schwachem, aufreizendem Lächeln und ging auf die offene Bühne hinaus, um mit Bernhard Meinken zu ringen.
Thyssen sah ihm von der Kulisse aus zornig zu. Der Teufel steckte in diesem Kiesling, machte seinen gestählten Körper elastisch und biegsam, wie einen Schlangenleib! Keiner flog aus beliebiger Höhe so exakt in die Brücke, wie er, keiner schlug zum Entzücken der Zuschauer so elastische Pirouetten, keiner bot in jeder erdenklichen Stellung ein so vollendet schönes Bild. Er ließ auch Bernhard Meinken keinen regulären Sieg. Nachdem der Kampf eine volle Stunde gedauert hatte, warf er sich so geschickt hintenüber, daß er sich selbst den Fuß verstauchte. Durch diese Verletzung wurde er kampfunfähig. Meinken wurde als Sieger erklärt, aber die Zuschauer waren verstimmt, daß einer ihrer Favoriten Schaden genommen hatte.
„Wie denkst du über die Spielschuld?“ fragte Kiesling Thyssen, sobald er hinkend in die Garderobe zurückkehrte. „Roditscheff hält mit mir zusammen....“
„Ist das wahr? Du bist ebenso unfair, Sergej?“ fragte Thyssen zornig.
Roditscheff schnitt sich gerade die Fingernägel und zuckte nur die Achseln, ohne sich umzusehen.
„.... Eure Gage....,“ murmelte Thyssen, aber Kiesling unterbrach ihn:
„Spielschulden dürfen von der Gage nicht gekürzt werden .... Überdies waren wir so vorsichtig, uns unsere Gage vor zwei Stunden von Immermann auszahlen zu lassen. Halt’ dich damit an unsern Direktor....“