Thyssen sah ein, daß die beiden starrköpfigen, unbedenklichen Freunde ihm alle Waffen aus der Hand genommen hatten. Wortlos zog er den Schuldschein aus seinem Portefeuille und reichte ihn Kiesling, der ihn schweigend durchlas und ihn dann auf den kleinen, rotglühenden eisernen Ofen legte, wo er zu Asche verschwelte.

Kaum zehn Minuten später wurde Thyssen auf der Bühne als Sieger mit unendlichem Enthusiasmus bejubelt. Er hatte den langen, starken Russen mit einem herrlichen Untergriff hingelegt....

Da oben standen die Starken, groß und herrlich, wie Halbgötter, und nahmen ihre Lorbeerkränze in Empfang und die versiegelten Hüllen, in welchen die Geldpreise verschlossen waren; die silbernen Geräte wurden Roland, Meinken, Kiesling, Roditscheff und Gomez überreicht, und Thyssen bekam einen feuervergoldeten Pokal. Und die Musik blies Tusch, und schmetternde Fanfaren feierten die Starken...

In der Garderobe sagten die Ringkämpfer einander Lebewohl und Auf Wiedersehen. Ein Teil reiste nach Holland zu einer Konkurrenz ab, die Jan van Muyden unterdessen arrangiert hatte.

„Das war ’n jutes Debüt, allright?“ sprach Thyssen liebenswürdig zu Roland, indem er die kornblumenblauen, wollenen Trikotbeinkleider abstreifte. Einen Augenblick nur stand er nackt in seiner reifen Schönheit da, denn schon kam Mikita Zirkovitch, der dem Champion fanatisch ergeben war, um ihm den Mantel aus Kräuselstoff umzugoben.

Freidank konnte sich nicht mehr zurückhalten. Das kühle, reservierte Benehmen des Weltmeisters ließ nur selten eine Annäherung zu. Jetzt war er mit Thyssen allein; nur Zirkovitch, der wenig Deutsch verstand, befand sich mit ihnen in der Garderobe. Eberhard streckte dem Rheinländer erschüttert beide Hände hin und sagte mit schwerer Zunge:

„Das kann ich Ihnen nie danken... das werde ich Ihnen nie vergessen....“

„Auf gute Freundschaft!“ sagte Hermann Thyssen mit einem Lächeln, welches sein schönes, ernstes Gesicht unvergleichlich erhellte, „und auf’s Du, Roland!.... Von Dank kann keine Rede sein. Aber Gott weiß, daß du an mir immer einen guten Kameraden finden wirst, wenn du nicht mein Feind wirst... wie die andern... wie die meisten....“

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