Auf gute Freundschaft! Das sagte auch Therese dem Ringkämpfer, als sie ihn weinend beim Abschiednehmen umarmte.

Eberhard hatte sich von dem schönen Mädchen nicht trennen mögen, ohne vorher ein gutes, bindendes Wort gesprochen und gehört zu haben. Darum hatte er am Morgen nach Beendigung der Konkurrenz Besuchstoilette angelegt, Frau Ambrosius eine offizielle Visite gemacht und um Thereses Hand gebeten.

Wider alle Erwartung hatte Frau Ambrosius ihre mütterliche Einwilligung versagt.

„Es tut mir herzlich leid, Herr Freidank, daß eine solche Erörterung zwischen uns stattfinden muß! Aber es sind schwerwiegende Gründe, die mich zwingen, Ihren Antrag nicht anzunehmen. Und Therese ist eine viel zu gute Tochter, um gegen meinen Willen...“

Freidank gab das Mädchen nicht kampflos auf; er bat um Gründe, wollte sein Einkommen darlegen, seine sportlichen Chancen...

„Ich glaube Ihnen, Herr Freidank,“ hatte Frau Ambrosius geantwortet, „daß Sie nicht um eine Dame anhalten würden, wenn Sie nicht wüßten, daß Sie sie ernähren können. Aber — wie peinlich mir das ist! — ich kann nicht Ja sagen, weil Sie durch Ihren jetzigen Beruf doch gewissermaßen — aus Ihren Kreisen herausgetreten sind. Mein verstorbener Gatte, Herr Freidank, war Amtsrichter. Wenn er lebte, er würde niemals zugeben, daß...“

„Daß seine Tochter einen Ringkämpfer liebt,“ sagte Freidank bitter.

„Sie sagen es selbst,“ erwiderte Frau Ambrosius verlegen. „Wer, wie Sie in Zukunft tun wollen, von Ort zu Ort reist... sich auf der Bühne oder im Zirkus mehr oder minder — preisgibt, kann — nach meinem Ermessen — eine Frau nicht dauernd glücklich machen... Nehmen Sie mir dieses Wort nicht übel, Herr Freidank! und versuchen Sie, meine Gefühle als Mutter zu verstehen....“

Thereses Neigung war noch nicht stark und unbedenklich genug, um der Mutter mit Überzeugung gegenüber zu treten. Erziehung und Gewohnheit stritten noch mit ihrer Liebe. Liebte sie ihn denn wirklich? fragte Eberhard sich in Zorn und Schmerz. Oder hatte ein Rausch der Sinne sie umgarnt, wie so viele Frauen, die den bejubelten Athleten ihre Ehre und ihre Leidenschaft ohne Besinnen hinwarfen, die aber niemals mit ihnen vor den Altar treten würden? Nein, Therese Ambrosius war nicht so!

An dem Nachmittage, ehe Freidank nach Amsterdam abreisen wollte, ging Frau Ambrosius aus. Sie fühlte dunkel, daß sie die Verpflichtung hatte, den beiden jungen Leuten eine ungestörte Abschiedsstunde zu gewähren.