„Wir wollen Freunde bleiben!“ schluchzte Therese Ambrosius, an Eberhards Halse hängend.
„Du hattest mir mehr sein sollen, meine Geliebte! meine Süße,“ sagte er flüsternd und küßte ihr braunes Haar. „O! die Achtung vor den Frauen, die ich verloren habe, du solltest sie mir wiedergeben, du stolzes Weib. Ein Vorurteil trennt uns, eine Marotte... Ich werde darüber hinwegkommen!“ fügte er mit einem Anfluge von Hochmut hinzu.
„Aber ich nicht! Niemals!“ weinte das junge Mädchen. „Du wirst fortgehen, Eberhard; du wirst andere Frauen lieben, die dir den Hof machen... die dich verehren... nur weil Du als Athlet vor ihnen stehst... Und ich werde hier bleiben, einsam... O, wie ich dich liebe! — Wie ich mich nach dir gesehnt habe... Tage lang — Nächte lang...!“
Nächtelang! hatte sie gesagt, nächtelang! — Das halblaut gesprochene Wort drang in seine Seele, wie Trompetenstöße. Nächtelang! Es brauste mit hellem Klang in seinen Ohren. Das war der Ruf der Leidenschaft, der ihm noch niemals erklungen war, das war das brünstige Locken des Weibchens, welches nach dem Gatten schrie. Und das war nicht spielerisch gesagt und nicht unkeusch. Das war in reiner, überwältigender Sinnlichkeit herausgestoßen, wie der naive Naturlaut eines Tieres. Nie hatte Fritzi l’Alouette, die mit der Liebe spielte, ihm gesagt, daß sie sich nach ihm gesehnt hatte — Nächte lang. —
Er sprang auf, er packte sie an beiden Schultern:
„Was hast du damit gesagt, Therese? Was — hast du — damit — gemeint?“
Seine Blicke bohrten sich in ihre Augen, wie Schwerter. Klar war es zwischen ihnen, als sei ein Blitz niedergefallen. Und der junge Mann warf sich auf die Kniee nieder, schlang die Arme um ihre Hüften, preßte sie wild und stöhnte zu ihr hinauf, wie zu einem Heiligenbild:
„Um Gottes willen, Therese, sag: was hast du damit gemeint?“
Sein heißer Atem schlug ihr ins Gesicht, seine lodernde Leidenschaft fuhr wie der Samum über ihre jungfräuliche Seele. Sie wollte sagen „gar nichts hab’ ich gemeint —“ aber ihre verdorrten Lippen blieben hilflos offen stehen und ihr Kopf bog sich nach hinten über, wie das Haupt einer welkenden Blume.