„Ich bitte dich, Lieber,“ sagte sie, „geh selbst zu dem Theaterdirektor, der dich damals ermutigt hat, ihm später einmal ein neues Stück zu bringen.“
„Therese! Ich habe wenig Hoffnung. Anerkannte Größen arbeiten für seine Bühne. Wie käme er dazu, einen Neuen, Unbekannten einzuführen?“
„Hast du nicht auch bei Immermann Glück gehabt? Warst du als Athlet nicht ebenso unbekannt? Habe Mut, Eberhard! Wer soll denn das Glück zwingen, wenn es den Starken nicht gelingt!“
Therese behielt Recht mit ihrer hoffnungsvollen Zuversicht, daß dem Starken das Glück hold ist. Mit unruhigem Herzen kam Eberhard in die Theaterkanzlei und bat, zu dem Direktor vorgelassen zu werden.
„In welcher Angelegenheit?“ fragte der Sekretär gleichgültig und mechanisch.
„Um mein neues Drama vorzulegen,“ erwiderte der junge Mann und sagte seinen Namen.
Kurz darauf erschien der Sekretär unter den höflichsten Verbeugungen wieder und bat Eberhard, ihm zu dem Bühnenleiter zu folgen. —
Ein schlimmer Winter lag hinter dem Direktor. Mißerfolge über Mißerfolge hatte es gegeben. Stücke, an deren Erfolg der erfahrene Theatermann kaum leise gezweifelt hatte, hatten dem Publikum mißfallen. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen hatte er dann mit dem lauten Getön einer geschickten Reklame das Lustspiel eines gefeierten Dramatikers angekündigt. Dieser Dichter war einer von denen, deren Ruhm so anerkannt und festbegründet scheint, daß ein völliges Versagen ihrer Werke niemandem glaublich oder möglich vorkommt. — Kaum war die Ankündigung erlassen, so setzte eine eigentümliche, feindliche Bewegung gegen den Dichter ein. Ruhm ist wie die Wogen des Meeres, unberechenbar, neidisch, tückisch und treulos. Das treulose Meer seines Ruhmes wurde gegen den Dichter von Grund aus aufgewühlt. Jeder, der konnte, half mit, und am Abende der ersten Aufführung war die Atmosphäre im Theater wie vor einer Explosion. Noch eher, als man es hatte befürchten können, brach dann auch die große Woge der Feindschaft und Mißgunst über des Dichters Werk herein. Es wurde ein Theaterskandal, wie die Mauern des Theaters ihn noch nicht gesehen hatten.
Nach diesen Erlebnissen hatte Direktor Holderbaum Lust, einen homo novus zu entdecken, der ohne Feinde und ohne Freunde als ein Freier auf den Schlachtplan des Geistes trat, und es war ihm nicht unangenehm, als in dieser Vormittagsstunde der junge Freidank sich bei ihm melden ließ. — O, vielleicht brachte er es schon mit, das hoffnungsvolle Werk, welches die kommende Saison mit einem glücklichen Erfolge einleiten und einweihen sollte!