»Ja wohl, wenn Du nichts dagegen hast, kleine Moralistin! Ich werde diesen schlichten, schwarzen Fächer zu einem wahren Kunstwerk umgestalten, weil die Besitzerin ein ...« (ich stockte, denn der Ausdruck des mir zugewandten Gesichtes glich dem eines entsetzten Kindes) – »weil eine Dame mich freundlich darum gebeten hat, dieses unscheinbare Ding zu verschönern,« fügte ich gleichgültig hinzu.
»So? Nun, mir hast Du noch niemals einen Fächer gemalt, Gilbert!« sagte sie halb schmollend, während sie den verfänglichen Gegenstand zur Hand nahm und denselben, das ihm entströmende Parfüm einsaugend, an ihr Stumpfnäschen hielt.
»Dir?« fragte ich höchlichst verwundert. »Trägst Du denn überhaupt einen Fächer? Ich dachte, solch' Spielzeug für große Kinder erscheine Dir viel zu frivol?«
Zu meiner noch größeren Verwunderung sah ich, wie das zierliche Köpfchen mit einem energischen Ruck ganz plötzlich in den Nacken fuhr, worauf es mit eigentümlich bebender, allein halb trotziger Stimme an mein Ohr schlug:
»O, natürlich ahne und verstehe ich nichts vom Fächerspiele all' jener Frauen, deren Lebenszweck nur eitles Haschen nach Vergnügen ist und für welche das heilige Wort Pflichten überhaupt keine Bedeutung hat. Einen Fächer zum Gebrauche in Deinem Sinne brauche ich gottlob nicht! Gute Nacht, Gilbert!«
Dergleichen Heftigkeit war mir neu an meiner Gattin. Gut, dachte ich, fangen wir doch zur Abwechslung einmal an, uns gegenseitig auf den Kriegsfuß zu stellen! Das würde jedenfalls mehr Anregung bieten im häuslichen Einerlei, als diese lauwarme Spülwasser-Stimmung. Oho! Ich war sicher nicht der Mann, um mich über die kindischen Launen der einfältigen kleinen Frau zu grämen. War doch mein Geist ohnehin so vollständig gefangen genommen durch das reizvolle Abenteuer des Maskenballes, daß alles andere gänzlich in den Hintergrund trat.
Für heute aber mag's genug sein, mio Carolo! Das Fächerbild ist bereits begonnen worden und scheint mir vortrefflich zu gelingen. Vive l'amour!
Dein Gilbert!«