Da das Verhältnis zwischen dem Sohne und der zweiten Frau des verstorbenen Mr. Clark ein selten inniges war, so entgegnete er ebenso freundlich und zuvorkommend:

»O gewiß gern, liebe Mutter, aber ...«

Den Schluß seiner Rede hörte die Dame nicht mehr, weil sie Eile zu haben schien und das Zimmer bereits verlassen hatte.

Zögernd und mit einer ihm selbst unerklärlichen Befangenheit stand Anthony Clark noch einige Minuten vor der Thür des Zimmers, das von der Fremden zu ihrem prosaischen Geschäft benutzt wurde. Er wußte es selbst nicht, warum er gerade diesen Weg nach der Bibliothek eingeschlagen hatte. Einerseits scheute er eine Begegnung mit dem jungen Mädchen, andererseits trieb eine innere Gewalt ihn vorwärts. War er denn nicht der Hausherr hier, der überallhin kommen und gehen konnte, wie es ihm beliebte? Mit dieser Schlußfolgerung trat er endlich ein.

Ja, da stand sie wieder, die so eigentümlich imponierende und doch so mädchenhaft schüchterne Gestalt. Ein leichtes Rot war ihm nun in die Stirn gestiegen, weil er sich bewußt war, oft – vielleicht sehr oft sich dieses seltsame Bild vor die Seele gezaubert zu haben.

Recht auffällig sichtbar nahm er nun den mitgebrachten Bücherstoß in seinen linken Arm und grüßte höflich mit den Worten: »Verzeihung, mein Fräulein, daß ich Sie störe, allein – ich muß hinüber nach der Bibliothek!« Dabei war aber Anthony keineswegs weitergeschritten, sondern etwa sechs Schritte von dem jungen Mädchen stehen geblieben. Verwundert und, wie es ihm vorkam, mit leisem Lächeln, begegnete sie seinem leuchtenden Blicke.

»Es steht mir kein Recht zu, dieses Zimmer für mich allein beanspruchen zu wollen, Mr. Clark,« entgegnete sie mit volltönender überaus sympathischer Stimme. – Also wußte die Fremde darum, daß er der Hausherr war. Rasch erwiderte er:

»O doch, Miß, Miß –« (augenscheinlich verlangte es ihn, ihren Namen zu erfahren) – »Northland!« klang es sehr leise zurück.

»O doch, Sie haben ein Recht, hier ganz ungestört zu sein, Miß Northland. Sie sind ja die Wohlthäterin für das ganze Haus, ich meine: seit Sie zuerst hier eingetreten, ist es – Licht geworden.«

Der schöne Mädchenkopf senkte sich tiefer auf die Brust herab. »Man ist gütig gegen mich,« flüsterte sie bescheiden.